- Eine wegweisende Studie, die fortschrittliche genetische und molekulare Datenanalysetechniken – einschließlich KI-Algorithmen – eingesetzt hat, identifiziert endometriale genetische Profile, die das Fehlgeburtsrisiko selbst bei Embryonen von höchster Qualität vorhersagen können
- Die Präsenz von IVI auf dem SRI-Kongress wurde zudem durch eine weitere Studie geprägt, die den Body-Mass-Index (BMI) mit dem Risiko eines Schwangerschaftsverlusts in Zusammenhang bringt – dieses Risiko kann um bis zu 18 % steigen
PUERTO RICO, DONNERSTAG, 26. MÄRZ 2026
Der Zustand des Endometriums ist – zusammen mit der Embryonenauswahl – entscheidend für den Erfolg einer Kinderwunschbehandlung. Endometriale Ursachen stehen im Fokus zahlreicher Forschungsansätze in der Reproduktionsmedizin, die klären sollen, warum eine Schwangerschaft nicht eintritt.
In diesem Zusammenhang hat eine von der Fundación IVI und IVI RMA Global geleitete Studie zwei bereits verfügbare Wirkstoffe identifiziert, die helfen könnten, eine bislang nicht erkannte Ursache von Infertilität zu behandeln. Die Studie mit dem Titel „Genistein and Pioglitazone as Promising Repurposed Drugs to Treat Endometrial Failure Independent of Endometrial Timing“ wurde nach ihrer mündlichen Präsentation auf dem Kongress der Society for Reproductive Investigation (SRI), der vom 24. bis 28. März in Puerto Rico stattfand, mit dem President’s Plenary Award ausgezeichnet.
Anhand einer Stichprobe von 161 Frauen identifizierte das Forschungsteam vier Endometrium-Typen auf Grundlage von Genexpressionsprofilen. Zwei dieser Typen waren mit hohen Schwangerschaftsraten assoziiert, während die beiden anderen ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko zeigten – selbst dann, wenn hochqualitative Embryonen transferiert wurden.
Da es für diese Konstellationen bislang keine spezifischen Therapien gibt, nutzte das Team künstliche Intelligenz und Systempharmakologie (auf Basis von Netzwerkmodellierung), um zugelassene Medikamente zu identifizieren, die endometriale Veränderungen und Schwangerschaftsstörungen korrigieren könnten. Unter den analysierten Kandidaten stachen zwei aufgrund ihrer Wirksamkeit und fehlender Nebenwirkungen besonders hervor: Genistein und Pioglitazon. Beide zeigten im Labor positive Effekte, indem sie die Funktion endometrialer Zellen während der Dezidualisierung verbesserten – einem Schlüsselprozess für eine erfolgreiche Implantation und die weitere Entwicklung der Schwangerschaft.
„Im Durchschnitt sind drei bis fünf Versuche nötig, um mit Embryonen hoher Qualität eine kumulative Schwangerschaftsrate von über 95–98 % zu erreichen, bei einer Erfolgsrate von etwa 65 % im ersten Versuch – wodurch es auf dem Weg dorthin zu Embryonenverlusten kommt. Künftig könnten wir diese Ergebnisse verbessern, indem wir solche Profile im Voraus identifizieren und vor dem Embryotransfer behandeln“, erklärt Dr. Patricia Díaz Gimeno, Leiterin der Studie .
Ein kürzerer und sichererer Weg für Patientinnen
Ein wesentlicher Nutzen dieser Studie liegt in der Personalisierung der Behandlungsprotokolle. Die Möglichkeit, den endometrialen Status vorab zu beurteilen, erlaubt es, den Embryotransfer gezielter zu planen und weniger Embryonen einzusetzen – mit dem Ziel, die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft bereits im ersten Versuch zu erhöhen. Dr. Díaz Gimeno betont jedoch, dass die Ergebnisse „eine klinische Studie“ erfordern würden, um „mit dem höchsten Evidenzniveau“ zu bestätigen, dass sie die „Standardversorgung tatsächlich verbessern“.
Ein weiterer wichtiger Vorteil ist das Potenzial für eine rasche klinische Umsetzung: „Unsere Laborstudien haben gezeigt, dass beide Substanzen die Dezidualisierung in endometrialen Zellen fördern können“, ergänzt sie. Die Dezidualisierung ist ein Prozess, bei dem Endometriumzellen funktionelle und morphologische Veränderungen durchlaufen, die für die Implantation des Embryos und seine weitere Entwicklung unerlässlich sind.
Da beide Wirkstoffe bereits kommerziell verfügbar sind, sind ihre Sicherheitsprofile gut bekannt. Dies könnte eine schnellere Einführung dieser neuen Indikation ermöglichen – ohne die langen Entwicklungszeiten, die neue Arzneimittel bis zur Markteinführung benötigen.
Dr. Díaz Gimeno hebt außerdem hervor, dass diese Medikamente als von großem Nutzen identifiziert wurden, da sie eine „zuvor unbekannte“ Ursache von Infertilität auf molekularer Ebene umkehren: „Um diese Wirkstoffe zu finden, haben wir einen hochentwickelten Ansatz zur großskaligen Datenanalyse genutzt, der in der Humanreproduktion wegweisend ist – einschließlich Systempharmakologie und Signature Matching (durchgeführt vom Erstautor der Studie, Antonio Párraga Leo, während eines Forschungsaufenthalts an der UCSF, University of California, San Francisco).”
Metabolische Faktoren und Schwangerschaftsrisiko: der Einfluss des BMI
Die Präsenz von IVI auf dem SRI-Kongress wurde zudem durch eine weitere Studie geprägt, die den Zusammenhang zwischen dem Body-Mass-Index (BMI) und dem Risiko eines Schwangerschaftsverlusts untersuchte. Laut den neuesten Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) sind rund 54 % der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland übergewichtig – eine wachsende globale Herausforderung, der viele Länder mit Maßnahmen im öffentlichen Gesundheitswesen begegnen.
Die Fruchtbarkeit kann bei Frauen, die über einem gesunden Gewicht liegen, beeinflusst werden. Neben der Tatsache, dass diese Patientinnen häufiger eine Kinderwunschbehandlung benötigen, zeigt die Studie „The weight of loss: Obese patients have a higher risk of pregnancy loss after euploid frozen embryo transfer“, die von IVI RMA auf dem SRI vorgestellt wurde, dass das Risiko eines Schwangerschaftsverlusts im Durchschnitt um bis zu 18 % steigen kann – mit noch höheren Raten bei schwerer Adipositas.
„Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, reproduktionsmedizinische Behandlungen konsequent zu personalisieren, um hohe Erfolgsraten zu erzielen – unter Berücksichtigung der Krankengeschichte, des Lebensstils und insbesondere des Körpergewichts. Es ist entscheidend, über den Einfluss weiblicher Adipositas auf Schwangerschaftskomplikationen wie Fehlgeburten aufzuklären, die selbst dann häufiger auftreten, wenn chromosomal unauffällige Embryonen in die Gebärmutter übertragen werden“, erklärt Dr. José Bellver, Gynäkologe bei IVI Valencia.
Die Studie umfasste nahezu 16.000 Patientinnen und zeigte zudem, dass Frauen mit Adipositas eine geringere Wahrscheinlichkeit für eine Lebendgeburt hatten als nicht adipöse Patientinnen – wobei das Risiko mit steigendem BMI progressiv zunahm. Diese Ergebnisse verdeutlichen, wie wichtig eine Beratung über den Einfluss von Adipositas auf Schwangerschaftsverluste ist – bereits bevor euploide Embryonen transferiert werden.
Die Umsetzung gesunder Lebensgewohnheiten kann bei Patientinnen in einer Behandlung der assistierten Reproduktion einen sehr positiven Effekt haben, wie Dr. Bellver erläutert:
- Eine ausgewogene Ernährung
• Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
• Verzicht auf Alkohol und Tabak
• Regelmäßige körperliche Aktivität, angepasst an die Bedürfnisse jeder Frau