Im Rahmen der 73. Jahrestagung der Society for Reproductive Investigation (SRI) hat IVI RMA Global eine wegweisende Forschung präsentiert, die den Ansatz beim endometrialen Versagen neu definiert. Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz und Systempharmakologie eröffnet diese Studie – ausgezeichnet mit dem President’s Plenary – einen therapeutischen Ansatz für Patientinnen, die selbst bei Embryonen hoher Qualität wiederholt Schwangerschaftsverluste erleben.
Identifikation von Risikoprofilen mithilfe künstlicher Intelligenz
Die von Dr. Patricia Díaz Gimeno geleitete Studie zeigt, dass die großskalige Analyse genetischer Daten molekulare Profile im Endometrium identifizieren kann, die das Fehlgeburtsrisiko vorhersagen.
Dieser innovative Ansatz nutzt KI-Algorithmen, um Störungen in der Dezidualisierung (dem Prozess der Vorbereitung der Gebärmutter auf eine Schwangerschaft) zu erkennen – und ermöglicht damit eine präventive Intervention, bevor der Embryotransfer durchgeführt wird.
Ein zentraler Meilenstein dieser Forschung ist die Identifikation bereits verfügbarer Medikamente, die „repurposed“ – also für eine neue Indikation wiederverwendet – werden könnten, um eine endometrial bedingte Infertilität zu behandeln:
- Genistein: Eine natürliche Isoflavon-Verbindung mit antioxidativen und antiinflammatorischen Eigenschaften, die ein günstiges uterines Umfeld unterstützen kann.
- Pioglitazon: Dieses Medikament wird üblicherweise zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt. Es verbessert die Insulinsensitivität und kann die Funktionalität endometrialer Zellen unterstützen.
Laboruntersuchungen haben gezeigt, dass beide Wirkstoffe die Dezidualisierung in Endometriumzellen fördern können.
„Im Durchschnitt sind drei bis fünf Versuche nötig, um mit Embryonen guter Qualität eine kumulative Schwangerschaftswahrscheinlichkeit von über 95–98 % zu erreichen. Beim ersten Versuch liegt die Erfolgsrate bei etwa 65 %, was mit einem entsprechenden Embryonenverlust einhergehen kann. Jetzt können wir versuchen, diese Ergebnisse zu verbessern, indem wir solche Profile präventiv identifizieren und vor dem Embryotransfer behandeln“, erklärt Dr. Díaz Gimeno, die leitende Forscherin des Projekts.
Die Studie weist darauf hin, dass die Personalisierung der Protokolle ein entscheidender Vorteil für Patientinnen ist. Die Beurteilung des endometrialen Status ermöglicht es, den Transfer zu optimieren und möglichst wenige der verfügbaren Embryonen zu verwenden – also die Chance auf eine Schwangerschaft bereits im ersten Versuch zu erhöhen.
Dr. Díaz Gimeno ergänzt, dass diese Medikamente dazu identifiziert wurden, eine Ursache von Infertilität „umzukehren, die bislang unbekannt war“: „Für ihre Identifikation wurde ein hochentwickelter, großskaliger Datenanalyseansatz eingesetzt, der in der Humanreproduktion wegweisend ist – darunter Systempharmakologie und signature matching (durchgeführt vom Erstautor der Arbeit, Antonio Párraga Leo, nach einem Forschungsaufenthalt an der UCSF, University of San Francisco, CA).“
Der Einfluss metabolischer Faktoren in der assistierten Reproduktion
Präzisionsmedizin bei IVI beschränkt sich nicht auf Genetik – sie berücksichtigt auch den metabolischen Zustand der Patientin. In einer zweiten Studie, die ebenfalls auf dem Kongress vorgestellt wurde (The weight of loss: Obese patients have a higher risk of pregnancy loss after euploid frozen embryo transfer), wurde anhand einer Stichprobe von 16.000 Patientinnen der kritische Einfluss des Body-Mass-Index (BMI) gezeigt.
Welche Folgen hat ein erhöhter BMI für die weibliche Fertilität?
- Häufigere Notwendigkeit, eine Kinderwunschbehandlung in Anspruch zu nehmen
- Anstieg des Risikos für einen Schwangerschaftsverlust um 18 %
Ergänzend ist hervorzuheben, dass laut den neuesten Daten des spanischen nationalen Statistikamts (INE) 40 % der spanischen Bevölkerung von Übergewicht betroffen sind.
„Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, reproduktionsmedizinische Behandlungen maximal zu personalisieren, um hohe Erfolgsraten zu erzielen – unter Berücksichtigung der Krankengeschichte, des Lebensstils und insbesondere des Körpergewichts. Es ist unerlässlich, über den Einfluss weiblicher Adipositas auf Schwangerschaftskomplikationen wie Fehlgeburten aufzuklären, die selbst dann häufiger auftreten, wenn die in die Gebärmutter übertragenen Embryonen keine chromosomalen Auffälligkeiten aufweisen“, erklärt Dr. José Bellver, Gynäkologe bei IVI Valencia.
Beratung und gesunde Ernährung: Schlüsselfaktoren in der assistierten Reproduktion
Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig eine kontinuierliche Beratung über den Einfluss von Adipositas auf Schwangerschaftsverluste ist – auch bereits vor dem Transfer euploider Embryonen.
Neben der Beratung können echte, nachhaltige gesunde Lebensgewohnheiten für Patientinnen in einer Kinderwunschbehandlung sehr hilfreich sein, zum Beispiel:
• Eine ausgewogene Ernährung
• Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
• Verzicht auf Alkohol und Tabak
• Regelmäßige Bewegung, angepasst an die Bedürfnisse jeder Frau
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