Wenn eine Frau eine Kinderwunschbehandlung beginnt, richtet sich die Aufmerksamkeit in der Regel ganz auf die Qualität der Embryonen. Eine Schwangerschaft hängt jedoch nicht allein vom Embryo ab. Auch die Umgebung, in der er sich einnisten muss, insbesondere das Endometrium, spielt eine entscheidende Rolle.
Eine von IVI Institute auf dem Jahreskongress der Amerikanischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (ASRM) vorgestellte Studie stützt genau diese Annahme. Die Untersuchung, die sich auf Patientinnen mit Übergewicht konzentriert, kommt zu dem Ergebnis, dass Frauen mit Übergewicht oder Adipositas schlechtere reproduktive Ergebnisse erzielen, wenn der Transfer kryokonservierter Embryonen nach einer künstlichen Endometriumvorbereitung erfolgt, als wenn er in einem Naturzyklus durchgeführt wird.
Die Befunde werfen in der Reproduktionsmedizin eine neue Frage auf: Sollte die Vorbereitung des Endometriums je nach den Merkmalen der einzelnen Patientin individuell angepasst werden?
Was ist die Endometriumvorbereitung und warum ist sie so wichtig?
Vor dem Transfer eines kryokonservierten Embryos muss das Endometrium so vorbereitet werden, dass es zum genauen Zeitpunkt der Einnistung aufnahmebereit ist.
Naturzyklus
Bei diesem Verfahren hat die Frau einen spontanen Eisprung. Der Körper produziert die notwendigen Hormone, darunter Progesteron, selbst, um das Endometrium vorzubereiten und die Einnistung des Embryos zu begünstigen.
Substitutionszyklus bzw. künstlicher Zyklus
In diesem Fall spielt der Eisprung keine Rolle, und die Patientin erhält hormonelle Medikamente, vor allem Östrogene und Progesteron, um das Endometrium vor dem Transfer vorzubereiten.
Diese Strategie wird häufig angewandt, weil sich die Behandlung damit leichter planen lässt. Allerdings deuten immer mehr Studien darauf hin, dass nicht alle Patientinnen auf diese Art der Vorbereitung gleich ansprechen.
Nicht alles hängt vom Embryo ab
Einer der interessantesten Aspekte dieser Studie ist, dass die Forschenden ausschließlich Transfers euploider Embryonen analysierten, also chromosomal unauffälliger Embryonen.
Warum ist das wichtig? Weil sich, wenn man den Embryo als Faktor ausschließt, leichter untersuchen lässt, welchen Einfluss andere patientenbezogene Elemente haben, etwa die Funktion des Endometriums oder das hormonelle Umfeld.
Wie Dr. José Bellver, Gynäkologe bei IVI Fertility Valencia und Hauptforscher der Arbeit, erklärt: „Wenn wir Embryonen von guter Qualität und mit normalem Chromosomensatz transferieren, liegt die Verantwortung für das, was danach geschieht, im Wesentlichen beim mütterlichen Umfeld und insbesondere beim Endometrium.“
Mit anderen Worten: Wenn der Embryo ein ausreichendes Einnistungspotenzial hat, können andere Faktoren darüber entscheiden, ob es zu einer fortbestehenden Schwangerschaft kommt oder nicht.
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie
Die beobachteten Ergebnisse der Untersuchung waren eindeutig. Frauen mit Übergewicht, die eine künstliche Endometriumvorbereitung erhielten, wiesen schlechtere reproduktive Ergebnisse auf als Frauen, bei denen der Embryotransfer in einem Naturzyklus erfolgte.
Konkret verzeichneten sie:
- Niedrigere Raten fortbestehender Schwangerschaften.
- Höhere Fehlgeburtsraten.
- Niedrigere Lebendgeburtenraten.
Diese Befunde waren besonders relevant, weil sie auftraten, obwohl alle transferierten Embryonen euploid waren.
Dies legt nahe, dass das Endometrium und das mütterliche Umfeld eine entscheidende Rolle für den Fortpflanzungserfolg spielen können, insbesondere bei Frauen mit Übergewicht oder Adipositas.
Die Rolle des Progesterons
Auch wenn weitere Studien nötig sind, um die beteiligten Mechanismen zu bestätigen, glauben die Forschenden, dass eine der Ursachen im Progesteron liegen könnte.
Dieses Hormon ist entscheidend dafür, dass das Endometrium die notwendigen Bedingungen entwickelt, um den Embryo aufzunehmen und seine weitere Entwicklung zu ermöglichen.
„Wir vermuten, dass der Hauptmechanismus eine verminderte Progesteronwirkung auf Ebene des Endometriums ist. Bei Frauen mit Adipositas findet man am Tag des Transfers häufiger suboptimale Progesteronspiegel, wenn eine Substitutions- bzw. künstliche Endometriumvorbereitung verwendet wird“, erklärt Dr. Bellver.
Ovuliert die Frau dagegen auf natürliche Weise, produziert sie nicht nur Progesteron, sondern auch weitere Substanzen, die für eine gute Einnistung und die frühe Entwicklung der Plazenta notwendig sind.
Dieser Unterschied könnte erklären, warum die reproduktiven Ergebnisse besser auszufallen scheinen, wenn der Transfer in einem Naturzyklus erfolgt.
Was bedeutet dieser Befund für die Patientinnen?
Wichtig ist: Diese Studie bedeutet weder, dass alle Frauen mit Übergewicht oder Adipositas auf künstliche Zyklen verzichten sollten, noch dass der Naturzyklus immer die beste Option ist.
Jede Patientin hat andere medizinische Voraussetzungen, und die Wahl der Behandlung sollte individuell erfolgen.
Die Ergebnisse weisen jedoch auf einen Gedanken hin, der in der assistierten Reproduktion zunehmend an Bedeutung gewinnt: die Notwendigkeit, Behandlungen zu personalisieren und an die spezifischen Merkmale jeder Frau anzupassen.
Auf dem Weg zu einer personalisierteren Reproduktionsmedizin
Adipositas ist einer der Faktoren, die die Fruchtbarkeit und die reproduktiven Ergebnisse beeinflussen können. Deshalb lautet die erste Empfehlung der Fachleute weiterhin, gesunde Gewohnheiten anzunehmen, die nach Möglichkeit zu einer Reduzierung des Körpergewichts beitragen.
Die Forschenden erinnern jedoch daran, dass Abnehmen nicht immer einfach ist und dass es selbst dann, wenn es gelingt, notwendig bleibt, weiter nach Strategien zu suchen, die helfen, die Chancen auf eine Schwangerschaft zu optimieren.
Deshalb tragen Studien wie diese dazu bei, besser zu verstehen, welche Behandlung für jede Patientin am besten geeignet sein kann.
„Wenn sich diese Daten bestätigen, könnten Frauen mit Übergewicht oder Adipositas, die regelmäßig ovulieren, stärker von einer Endometriumvorbereitung im Naturzyklus oder im modifizierten Naturzyklus profitieren als von einer vollständig substituierten Vorbereitung“, schließt Dr. Bellver.
Genau in diese Richtung entwickelt sich die Reproduktionsmedizin: Sie bietet zunehmend personalisierte Behandlungen an, um die Chancen auf eine gesunde Schwangerschaft und die Geburt eines gesunden Babys zu erhöhen.
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