Der Zustand des Endometriums ist neben der Embryonenqualität einer der entscheidenden Faktoren für den Erfolg einer Kinderwunschbehandlung. Deshalb konzentriert sich ein großer Teil der Forschung in der Reproduktionsmedizin auf die Gebärmutter, das sie auskleidende Gewebe und die Möglichkeiten, die dem Embryo helfen, sich einzunisten und sich günstig zu entwickeln.
Auf dem Jahreskongress der Amerikanischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (ASRM) haben Forschende der IVI Institute Foundation eine Studie vorgestellt, die sich mit dieser Frage befasst und hoffnungsvolle Ergebnisse liefert. Konkret wurde untersucht, welches Potenzial Plasma aus der Nabelschnur für die Regeneration des Endometriums bei Patientinnen mit Fertilitätsstörungen haben kann.
Eine Studie mit Patientinnen mit Asherman-Syndrom
Das Endometrium ist das Gewebe, das die Gebärmutter von innen auskleidet, und sein optimaler Zustand begünstigt die Einnistung des Embryos. Deshalb wird bei Kinderwunschbehandlungen eine angemessene Endometriumdicke angestrebt, um den Zeitpunkt des Embryotransfers festzulegen.
Forschende der IVI Institute Foundation arbeiten daran, Patientinnen mit Erkrankungen des Endometriums neue Alternativen anzubieten. Konkret konzentrierte sich die auf dem ASRM-Kongress vorgestellte Studie auf Frauen mit Asherman-Syndrom. Diese Erkrankung geht mit einem dünnen Endometrium oder einer Endometriumatrophie einher, was die Einnistung des Embryos erschwert, weil das Gewebe nicht die dafür notwendigen Voraussetzungen aufweist.
So erklärt es Dr. Irene Cervelló, Hauptforscherin der Studie sowie der IVI Institute Foundation und des Gesundheitsforschungsinstituts La Fe (IIS LAFE): „Diese Patientinnen haben ein besonders komplexes Problem, weil ihr Endometrium nur eine begrenzte Regenerationsfähigkeit besitzt. Ohne funktionsfähiges, ausreichend entwickeltes Gewebe sinken die Chancen auf eine Einnistung des Embryos erheblich.“
Plättchenreiches Plasma aus der Nabelschnur
Das aus gespendeten Nabelschnüren gewonnene Blut enthält plättchenreiches Plasma (PRP), das wegen seines hohen regenerativen Potenzials in verschiedenen Behandlungen eingesetzt wird. In der Reproduktionsmedizin wird das Plasma mittels subendometrialer Injektion im Rahmen einer Hysteroskopie verabreicht.
Der wesentliche Unterschied zum herkömmlichen PRP, das in der Regel aus dem eigenen Blut der Patientin gewonnen wird, besteht darin, dass das aus der Nabelschnur gewonnene Plasma aus einer deutlich jüngeren biologischen Quelle stammt. Es ist daher reich an Proteinen, Biomolekülen und Wachstumsfaktoren, die die Regeneration des Endometriums fördern können.
Vielversprechende Ergebnisse bei komplexen Fällen
Zwar müssen die Ergebnisse der Studie an größeren Stichproben bestätigt werden, doch die bisherigen Schlussfolgerungen sind vielversprechend. Sie legen nahe, dass eine verbesserte Gefäßversorgung und Regeneration des Endometriums die Bedingungen für die Einnistung des Embryos verbessern könnten.
Die erste Studie wurde an 15 Patientinnen durchgeführt, die bei IVI Fertility Valencia und im Hospital Universitari i Politècnic La Fe in Valencia behandelt wurden. Laut Dr. Cervelló verbesserten sich bei nahezu allen dieser Frauen nach der Behandlung die Dicke und die Funktionsfähigkeit des Endometriums.
Man darf nicht vergessen, dass die ausgewählte Stichprobe Patientinnen mit einer besonders schwierigen Prognose umfasst. Für sie bedeutet dies einen hoffnungsvollen Fortschritt. „Unser Ziel ist es, Frauen eine Alternative anzubieten, die derzeit nur sehr wenige reproduktive Optionen haben, wenn ihr Endometrium nicht auf herkömmliche Behandlungen anspricht. Die Ergebnisse sind vorläufig, eröffnen aber einen sehr vielversprechenden Weg für diese Patientinnengruppe“, betont Cervelló.
Bildung neuer Blutgefäße im Endometrium
Die Forschenden haben festgestellt, dass die Behandlung mit Nabelschnurplasma die Bildung neuer Blutgefäße im Endometrium fördert. Dieser Vorgang wird als Neoangiogenese bezeichnet. Konkret stieg die neoangiogene Gefäßfläche nach der Verabreichung des PRP von 32,23 % auf 45,60 %.
„Die Beobachtung dieser Neoangiogenese zeigt uns, dass die Behandlung eine tatsächliche biologische Wirkung auf das Gewebe hat. Durch die neue Gefäßversorgung gelangen Blut, Sauerstoff, Wachstumsfaktoren und die notwendigen Signale in das Gewebe, damit sich das Endometrium regenerieren und wieder funktionsfähig werden kann“, erklärt Dr. Irene Cervelló.
Welche Möglichkeiten bietet diese Behandlung für eine Schwangerschaft?
Der nächste Schritt dieser neuen Behandlung wird selbstverständlich sein, die Schwangerschaftschancen nach der Regeneration des Endometriums zu untersuchen. Dafür entwickelt das Team bereits eine neue Studie mit 35 Patientinnen aus IVI-Fertility-Kliniken, die von der spanischen Nationalen Transplantationsorganisation (ONT) genehmigt wurde.
Ziel ist es, die erzielten Ergebnisse zu validieren und zu bestimmen, ob sie sich tatsächlich in besseren Einnistungs– und Schwangerschaftsraten niederschlagen.
„Eine der wichtigsten Botschaften ist, dass das Endometrium in der Reproduktionsmedizin mehr Aufmerksamkeit verdient. Oft liegt der Fokus auf dem Embryo, doch für eine erfolgreiche Einnistung brauchen wir auch ein vorbereitetes und funktionsfähiges Endometrium. Unsere Arbeit liefert ein neues Puzzleteil, um zu verstehen, wie wir die Regeneration eines Gewebes fördern können, das sich bei manchen Patientinnen nur begrenzt erholen kann“, schließt die Forscherin.
Schlussfolgerungen
Dies sind einige der wichtigsten Schlussfolgerungen aus einer der von der IVI Institute Foundation auf dem ASRM-Kongress vorgestellten Studien, die sich mit der Rolle des Endometriums bei der Einnistung des Embryos befasst:
- Die Verabreichung von plättchenreichem Plasma aus der Nabelschnur fördert die Regeneration des Endometriums
- Die Studie wurde an 15 Frauen durchgeführt, bei denen es dank einer verbesserten Gefäßversorgung zu einer Regeneration des Endometriums kam
- Der nächste Schritt besteht darin, die Verbesserung der Einnistungs– und Schwangerschaftsraten der Patientinnen zu untersuchen und zu bestimmen
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