Follikelreifungsstörung und Kinderwunsch: Um diese zu verstehen, muss man zunächst die gesunde Follikelreifung betrachten. Dabei entwickeln sich die Follikel im Eierstock so, dass sie eine befruchtungsfähige Eizelle freisetzen können. Dieser Prozess hängt von einem präzisen Zusammenspiel verschiedener Hormone ab und ist sowohl für die Fruchtbarkeit als auch für den geordneten Ablauf des Menstruationszyklus unerlässlich.
Wichtig ist: Auch wenn eine Frau unter einer Follikelreifungstörung leidet, kann sie schwanger werden – diese Erkrankung kann die Empfängnis erschweren, schließt eine Schwangerschaft aber nicht aus.
Was ist die Follikelreifung?
Unter Follikelreifung versteht man das Wachstum und die Entwicklung eines Ovarialfollikels von einem frühen Stadium bis zu dem Zeitpunkt, an dem er in der Lage ist, während des Eisprungs eine funktionsfähige Eizelle freizusetzen.
Dieser Prozess findet im Rahmen des Menstruationszyklus statt. Es wird vor allem durch zwei Hormone gesteuert: FSH (follikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon). Es führt zur Auswahl eines dominanten Follikels, der die Reifung vollständig durchläuft, während die übrigen Follikel ihr Wachstum einstellen.
Was ist ein dominanter Follikel?
In einem natürlichen Menstruationszyklus wird aus allen antralen Follikeln eines Eierstocks ein Follikel ausgewählt, der als dominanter Follikel bezeichnet wird. Dieser Follikel wächst schneller als die anderen und erreicht einen größeren Durchmesser. Er ist derjenige, der zur vollständigen Reife gelangt und sich darauf vorbereitet, die Eizelle während des Eisprungs freizusetzen.
Die übrigen Follikel gehen durch einen biologischen Prozess, die sogenannte Atresie, zugrunde. Kurz vor dem Eisprung misst der dominante Follikel in der Regel zwischen 22 und 24 mm im Durchmesser (die Spannbreite kann zwischen 18 und 36 mm liegen). Dies ist der verlässlichste Parameter, um den Eisprung sicher vorherzusagen.
Was ist das Syndrom des leeren Follikels?
Vom Syndrom des leeren Follikels (Empty-Follicle-Syndrom) spricht man, wenn sich trotz korrekt gewachsener Follikel und angemessener Estradiolspiegel nach einer ovariellen Stimulation keine Eizellen gewinnen lassen.
Die genaue Ursache ist bislang nicht bekannt, und es gibt keine Faktoren, mit denen sich dieses Phänomen sicher vorhersagen ließe. Beobachtet wird es jedoch häufiger bei Frauen mit primärer Sterilität, das heißt bei Patientinnen, die noch nie schwanger waren und gleichzeitig über eine gute Follikelzahl verfügen.
Es handelt sich nicht um eine völlig außergewöhnliche Situation, wobei die Wahrscheinlichkeit mit dem Alter zunimmt. In jedem Fall bedeutet dieses Syndrom nicht zwingend, dass eine Frau generell unfruchtbar ist.
Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Follikelreifung und Eisprung?
Der Zusammenhang zwischen beiden Prozessen ist grundlegend. Der Eisprung ist der Moment, in dem der dominante Follikel die reife Eizelle freisetzt. Dies geschieht durch einen deutlichen Anstieg des LH-Spiegels, den sogenannten LH-Peak.
Dieser hormonelle Anstieg markiert das Ende der Reifungsphase und eröffnet die Möglichkeit einer Befruchtung, wenn die Eizelle auf ein Spermium trifft.
Follikelreifungstörung: welche Faktoren beeinflussen sie?
Verschiedene Faktoren können die normale Entwicklung des Follikels und damit den Eisprung beeinträchtigen:
- Hormonelle Störungen: Auffällige Veränderungen der Spiegel von FSH, LH oder Östrogenen können die Reifung verlangsamen oder ganz verhindern.
- Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS): führt häufig zu Amenorrhö oder unregelmäßigen Zyklen, die sich nicht vollständig entwickeln.
- Alter: Mit zunehmendem Alter nimmt sowohl die ovarielle Reserve als auch die Anzahl der verfügbaren Eizellen ab.
Diagnose der Follikelreifungstörung
Wenn in diesem Prozess Probleme auftreten, kommen verschiedene diagnostische und therapeutische Maßnahmen in Betracht:
- Ovulationsinduktion mit Medikamenten: unterstützt das Follikelwachstum, z. B. mit Clomifencitrat oder Gonadotropinen.
- Hormonelle Therapien: stellen fehlende Hormone bereit, um einen regelmäßigen Zyklus zu fördern.
- Behandlung des PCOS: umfasst Änderungen des Lebensstils und – wenn erforderlich – Medikamente zur Symptomkontrolle und zur Förderung der Ovulation.
Welche vorbeugenden Maßnahmen fördern eine gesunde Follikelreifung?
Um eine gesunde Follikelentwicklung zu unterstützen, empfiehlt sich:
- eine ausgewogene Ernährung: reich an Vitaminen und Mineralstoffen, die das hormonelle Gleichgewicht unterstützen.
- ein gesundes Körpergewicht: sowohl Unter- als auch Übergewicht können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
- Stressreduktion: z. B. durch moderate körperliche Aktivität, ausreichenden Schlaf oder Entspannungstechniken.
- Verzicht auf schädliche Substanzen: insbesondere Alkohol, Tabak und Drogen.
Fazit
- Die Follikelreifung ist entscheidend für die Fruchtbarkeit und den regulären Ablauf des Menstruationszyklus.
- Der Prozess hängt von einem fein abgestimmten Zusammenspiel von Hormonen wie FSH und LH ab.
- Das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) ist eine häufige Ursache für unvollständige Follikelreifung und Anovulation.
- Ovulationsinduzierende Medikamente können helfen, das Follikelwachstum anzuregen.
- Symptome wie Gewichtszunahme oder verstärkter Haarwuchs (Hirsutismus) können auf ein hormonelles Ungleichgewicht hinweisen.
Bei IVI sind wir auf komplexe Infertilitätsfälle spezialisiert. Der erste Schritt ist immer eine medizinische Untersuchung, bei der wir jeden Fall individuell analysieren und Tests durchführen, um die Ursache zu finden – wie etwa die Bestimmung der Eizellreserve und der Antralfollikelzählung. Sie können uns gerne anrufen oder Ihre Daten im Webformular hinterlassen, damit unser Team Sie kontaktieren kann, falls Sie weitere Informationen zu unseren Behandlungen wünschen.
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