Viele Frauen erleben während der Schwangerschaft sehr intensive Gefühle: mehr Sorgen, neue Ängste und auch Unsicherheiten im Zusammenhang mit den körperlichen und emotionalen Veränderungen in dieser Phase. Zu diesen Sorgen gehört häufig auch die Frage, ob eine Schwangerschaft als „Risikoschwangerschaft“ eingestuft werden kann – und welche Konsequenzen das haben könnte.
Von einer Hochrisikoschwangerschaft spricht man, wenn die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass bei der Mutter, beim Baby oder bei beiden gesundheitliche Probleme während der Schwangerschaft, der Geburt oder nach der Entbindung auftreten. Wie Dr. Nina Wegmann, Gynäkologin bei IVI Madrid, betont, „ist es wichtig klarzustellen, dass dies nicht automatisch bedeutet, dass es tatsächlich zu einer Komplikation kommt. Es erfordert jedoch eine engmaschigere medizinische Betreuung und spezifische Maßnahmen, um gewisse Risiken zu reduzieren.“
In diesem Artikel erklären wir, was genau eine Risikoschwangerschaft ist, welche Ursachen dafür in Frage kommen und welche Aspekte in solchen Fällen besonders hilfreich sein können.
Welche Faktoren erhöhen das Risiko in der Schwangerschaft?
Es gibt mehrere Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit für eine Hochrisikoschwangerschaft erhöhen können. In diesen Fällen ist es wichtig, eine Fachärztin oder einen Facharzt aufzusuchen, um eine individuelle Einschätzung und Diagnostik zu erhalten.
- Gesundheitsprobleme der Mutter, z. B. Diabetes, Krebs, Bluthochdruck, Nierenerkrankungen oder Epilepsie.
- Konsum schädlicher Substanzen wie Alkohol oder Tabak.
- Vorgeschichte mit Fehlgeburt, Frühgeburt oder intrauterinem Fruchttod.
- Mütterliches Alter (unter 17 Jahren oder über 35 Jahren).
- Adipositas oder Untergewicht.
- Infektionen wie HIV oder Hepatitis C bei der Frau.
- Wenn beim Fetus ein genetisches, kardiales, pulmonales oder renales Problem festgestellt wurde.
- Einnahme von Medikamenten wie Lithium, Phenytoin, Valproinsäure oder Carbamazepin bei der Frau.
Eine Risikoschwangerschaft kann bereits zu Beginn der Schwangerschaft oder auch im Verlauf eingestuft werden – abhängig von bestimmten Faktoren, die medizinisch beurteilt werden.
Wie kann man einer Hochrisikoschwangerschaft vorbeugen?
Jeder Fall ist individuell, dennoch gibt es Maßnahmen, die helfen können, Komplikationen während der Schwangerschaft zu vermeiden oder zu reduzieren.
Schwangerschaft planen
Es ist empfehlenswert, bereits vor einer Schwangerschaft ärztlichen Rat einzuholen, um zu wissen, welche Punkte besonders zu berücksichtigen sind – vor allem, wenn einer der oben genannten Faktoren vorliegt.
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen
Das ist ein entscheidender Schritt, denn bei diesen Terminen wird die Entwicklung des Babys kontrolliert und es kann frühzeitig gehandelt werden, falls es notwendig ist.
Gesunde Ernährung
Wichtig ist, mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen, welche Lebensmittel empfehlenswert sind, und welche vermieden werden sollten. Beispielsweise gehören ungekochtes bzw. nicht durchgegartes Fleisch (z. B. roher Schinken) oder rohe Meeresfrüchte zu den Lebensmitteln, die in der Schwangerschaft vermieden werden sollten.
Ungesunde Gewohnheiten vermeiden
Tabak, Alkohol, Drogen und Selbstmedikation können die Gesundheit der Mutter und des Babys beeinträchtigen. Deshalb ist es wichtig, diese Gewohnheiten möglichst vor einer Schwangerschaft zu beenden.
Gewichtskontrolle
Frauen mit Adipositas oder sehr niedrigem Gewicht sollten ihren körperlichen Zustand eng begleiten lassen, um Komplikationen während und nach der Schwangerschaft zu vermeiden.
Das Alter – ein Schlüsselfaktor bei Hochrisikoschwangerschaften
Ein höheres mütterliches Alter ist ein wichtiger Faktor und kann bestimmte Risiken erhöhen. Dazu gehören Bluthochdruck (Präeklampsie) oder Schwangerschaftsdiabetes, eine fetale Wachstumsrestriktion, eine Eileiterschwangerschaft, Komplikationen unter der Geburt (z. B. ein erhöhtes Kaiserschnittrisiko) sowie Frühgeburten.
Hinzu kommen endometriale Faktoren: Die Gebärmutter und das Endometrium altern wie der restliche Körper. Dabei kann sich vermehrt fibrotisches Bindegewebe bilden, was die natürlichen Eigenschaften verändert. Die Gebärmutter wird weniger elastisch, die Zahl der Blutgefäße, die den Embryo versorgen, nimmt ab, und es können Narben oder Veränderungen (z. B. Myome oder Polypen) entstehen, die die Entwicklung des Embryos erschweren. Trotzdem gilt: Ist die Schwangere insgesamt gesund und wird die Schwangerschaft gut überwacht, verläuft sie in den meisten Fällen ohne Komplikationen bis zum Termin.
Macht eine Risikoschwangerschaft es unmöglich, meinen Beruf auszuüben?
Nein, grundsätzlich ist die normale Arbeit nicht verboten – denn jeder Fall ist anders. Die Sorge, im Rahmen einer Risikoschwangerschaft nicht mehr normal arbeiten zu dürfen, beschäftigt viele Frauen, aber dies ist keine zwangsläufige Konsequenz.
In manchen Fällen empfiehlt die Ärztin oder der Arzt, die Arbeit zu pausieren, selbst wenn die Tätigkeit an sich nicht körperlich belastend ist oder kein zusätzliches Risiko für die Schwangere und/oder das Baby darstellt. Da jede Situation individuell ist, sollten Sie immer eine fachärztliche Einschätzung einholen und die Empfehlungen entsprechend Ihrer konkreten Tätigkeit berücksichtigen.
Gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen Risikoschwangerschaften und assistierter Reproduktion?
Nein, es gibt keinen direkten Zusammenhang mit der assistierten Reproduktion. Schwangerschaften, die durch Behandlungen wie die In-vitro-Fertilisation (IVF) entstehen, sollten sich grundsätzlich wie natürlich entstandene Schwangerschaften entwickeln. Häufig wird angenommen, dass eine Schwangerschaft nach einer Behandlung der assistierten Reproduktion mit hoher Wahrscheinlichkeit als „Risikoschwangerschaft“ zu betrachten ist – das entspricht allerdings nicht der Realität. Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang, dass viele Paare, die eine Kinderwunschklinik aufsuchen, bereits schon vorher eine Fertilitätsproblematik aufzeigen. Diese Ausgangssituation kann in manchen Fällen ein Grund sein, die Schwangerschaft engmaschiger zu begleiten – jedoch nicht aufgrund der Technik an sich.
Transfer eines einzelnen Embryos
Dank technologischer und wissenschaftlicher Fortschritte in der Reproduktionsmedizin priorisieren unsere Fachleute zunehmend den Transfer eines einzelnen Embryos (Single Embryo Transfer, SET). „Diese Methode reduziert die Rate an Mehrlingsschwangerschaften deutlich – und damit auch das Risiko einer Risikoschwangerschaft, da Mehrlingsschwangerschaften ein entscheidender Faktor für eine höhere Komplexität in der Schwangerschaft sind“, erklärt Dr. Nina Wegmann. SET ermöglicht es, den Embryo mit der besten Eignung und der höchsten Implantationswahrscheinlichkeit auszuwählen und zu transferieren – bei gleichbleibend hohen Erfolgsraten.
Fazit
- Ob eine Schwangerschaft als Hochrisikoschwangerschaft eingestuft wird, hängt von den individuellen Voraussetzungen ab – nicht davon, auf welchem Weg die Schwangerschaft entstanden ist. Deshalb muss dies nicht mit Behandlungen der assistierten Reproduktion zusammenhängen.
- Faktoren wie das Alter der Mutter, der Konsum schädlicher Substanzen oder Mehrlingsschwangerschaften können zu einer Hochrisikoschwangerschaft führen.
- Eine gute Planung, regelmäßige Kontrollen und eine gesunde Ernährung können helfen, Risiken zu reduzieren.
- Eine Risikoschwangerschaft bedeutet nicht automatisch ein Arbeitsverbot – entscheidend ist die individuelle ärztliche Einschätzung.
- Der Transfer eines einzelnen Embryos ist dank moderner Technologien ein wichtiger Ansatz, um Mehrlingsschwangerschaften zu vermeiden und Risiken zu minimieren.
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