Sie werden trotz ungeschütztem Geschlechtsverkehr an den fruchtbaren Tagen einfach nicht schwanger und fragen sich, woran dies liegen könnte? Rund zehn Prozent aller Frauen mit einem unerfüllten Kinderwunsch leiden an einer Schilddrüsenstörung. Schuld ist ein ungeregelter Hormonhaushalt, der aus dem Gleichgewicht geraten ist.
TSH-Wert und Kinderwunsch stehen in einem direkten Zusammenhang. Über die Schilddrüse und deren Hormone werden unterschiedlichste Vorgänge im Körper gesteuert, auch der Fortpflanzungsvorgang.
Doch woran erkennt man eine Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse? Und welchen TSH-Wert sollte man haben, wenn man eine Schwangerschaft plant? In diesem Beitrag erfahren Sie alles über den Zusammenhang von Schilddrüse und Fruchtbarkeit.
Was ist der TSH-Wert?
Sowohl die Hirnanhangdrüse als auch die Schilddrüse selbst bestimmen den Hormonhaushalt in unserem Körper. Das Thyreoidea-stimulierende Hormon, kurz TSH, wird in der Hirnanhangdrüse produziert und stimuliert die Funktion der Schilddrüse, die wiederum Hormone ausschüttet, welche weitere Vorgänge im Körper steuern. Um herauszufinden, ob die Schilddrüsenwerte im Normalbereich liegen, wird die TSH-Konzentration im Blut gemessen. Auf diese Weise kann der Arzt feststellen, ob eine Unter- oder Überproduktion der Schilddrüse vorliegt.
Da Schilddrüsenprobleme sehr vielfältig sind, empfiehlt es sich, auch die Schilddrüsenhormone FT3 und FT4 unter die Lupe zu nehmen, um eine genaue Diagnose zu treffen. Diese Hormone wirken sich unter anderem auch auf die sexuelle Lust aus und beeinflussen zudem die Potenz und Orgasmusfähigkeit. Erfahren Sie im folgenden Abschnitt, inwiefern der TSH-Wert die Fruchtbarkeit außerdem beeinflusst.
TSH-Wert und Kinderwunsch: welcher Wert ist optimal?
Bei Erwachsenen gilt ein TSH-Wert zwischen 0,40 und 4,0 mU/l als normal. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren können einen höheren Wert haben. Bei der Interpretation der Werte spielen stets auch das Geschlecht sowie das Alter eine Rolle.
Was sagen die Leitlinien?
Internationale medizinische Leitlinien enthalten spezifische Kriterien zur Optimierung der Fruchtbarkeit und zur Verringerung von Schwangerschaftsrisiken.
Der TSH-Wert bei einem Kinderwunsch sollte bei Frauen zwischen 1,0 und 2,5 mU/l liegen. Ebenso gilt ein Wert zwischen 0,5 und 2,5 mU/l als angemessen, um die Einnistung zu fördern und Fehlgeburten vorzubeugen.
Da die Schilddrüsenhormone sämtliche Vorgänge im Körper bestimmen, kann sich sowohl eine Schilddrüsenüberfunktion als auch eine Schilddrüsenunterfunktion negativ auf die Fertilität auswirken. Liegen die Schilddrüsenwerte einer Patientin außerhalb des Normalbereichs, könnte dies zu Problemen bei der Eizellreifung führen. Da Schilddrüsenhormone und Sexualhormone sich gegenseitig beeinflussen, kann eine Schilddrüsenerkrankung einen unregelmäßigen Monatszyklus verursachen. All diese Fruchtbarkeitsprobleme reduzieren die Chancen auf eine Schwangerschaft. Sollte eine Patientin mit einer Schilddrüsenüberfunktion dennoch schwanger werden, besteht vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel das Risiko einer Fehlgeburt.
Die ESHRE weist darauf hin, dass bei Werten zwischen 2,5 und 4,0 mU/l der Arzt entscheiden kann, ob er den Patienten überwacht oder medikamentös behandelt, insbesondere wenn weitere Risikofaktoren vorliegen.
Hier sind die verschiedenen Werte, die in den einzelnen Leitlinien angegeben sind:
| Fachgesellschaft | Fokus | TSH-Zielwert | Behandlungsempfehlung |
|---|---|---|---|
| ATA | Internationaler Standard | < 2,5 mU/l | Therapie bei TSH > 4,0 mU/l oder > 2,5 mU/l bei positiven TPO-AK |
| Endocrine Society | Stoffwechsel | 0,2 – 2,5 mU/l | Fokus auf eine stabile Stoffwechsellage |
| ASRM | IVF & Fertilität | ≤ 2,5 mU/l | Optimierung der Einnistung vor und während der Behandlung |
| ETA | Europäischer Standard | < 2,5 mU/l | Prävention von Fehlgeburten |
| DEGAM / S2k | Deutschland | < 2,5 mU/l | Dosisanpassung vor der Konzeption |
Welche Behandlungsoptionen gibt es bei einer Schilddrüsenunterfunktion?
Ein zu hoher TSH-Wert in Kombination mit niedrigen T3- und T4-Werten deutet auf eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) hin. Betroffene weisen oftmals Anzeichen wie Müdigkeit, eine ungewollte Gewichtszunahme, einen langsamen Pulsschlag, Frieren, Wassereinlagerungen, Verstopfung, Konzentrationsstörungen und teilweise auch eine Depression auf.
Die häufigsten Ursachen für eine Unterfunktion sind Hashimoto-Thyreoiditis, eine zu niedrige Dosis von Schilddrüsenhormonen, oder aber auch eine zu hohe Dosis von Medikamenten zur Therapie einer Schilddrüsenüberfunktion. Die meisten Frauen, die aufgrund eines Schilddrüsenproblems nicht schwanger werden, leiden an einer Unterfunktion. Bereits eine latente bzw. eine versteckte Schilddrüsenunterfunktion kann die weibliche Fruchtbarkeit einschränken. Vermuten Sie eine Störung der Schilddrüse bei sich? Dann sollten Sie sichergehen, dass Sie eine Schilddrüsenunterfunktion als Fruchtbarkeitsproblem ausschließen können. Eine Unterfunktion kann mit entsprechenden Hormontabletten behandelt werden.
Wie kann ich trotz Fruchtbarkeitsproblemen schwanger werden?
Eine Schilddrüsenüberfunktion sowie eine Schilddrüsenunterfunktion lassen sich behandeln und stellen damit kein dauerhaftes Hindernis für eine natürliche Empfängnis dar. Sollten Sie neben einer gestörten Schilddrüse an weiteren Fertilitätsproblemen leiden, müssen diese selbstverständlich ebenfalls therapiert werden. Je nachdem, welche Diagnose bei Ihnen getroffen wurde, können auch medizinisch assistierte Fruchtbarkeitsbehandlungen zur gewünschten Schwangerschaft verhelfen.
Neben einer Schilddrüsenfehlfunktion sind Endometriose, verklebte oder verschlossene Eileiter, das polyzystische Ovarialsyndrom (PCO) sowie ein vernarbter Gebärmutterhals die häufigsten Ursachen einer eingeschränkten weiblichen Fruchtbarkeit. Es ist stets eine gute Idee, einen Kinderwunsch bereits im Vorfeld mit dem Frauenarzt zu besprechen. Zudem ist es wichtig, die jährliche Routineuntersuchung wahrzunehmen, damit eventuelle Erkrankungen und Störungen frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Im Folgenden geben wir Ihnen Einblicke in gängige Kinderwunschbehandlungen, die regelmäßig in unseren IVI-Kliniken durchgeführt werden.
Schwanger dank einer Kinderwunschbehandlung bei IVI
Wir bei IVI helfen heterosexuellen und homosexuellen Paaren sowie alleinstehenden Frauen, einen Kinderwunsch zu erfüllen. Jede Behandlung ist individuell auf die Bedürfnisse unserer Patienten zugeschnitten und kann eine oder mehrere der folgenden Methoden und Techniken umfassen:
- Künstliche Befruchtung: Diese Art von Fruchtbarkeitsbehandlung ist in der Regel die erste Wahl, wenn eine natürliche Befruchtung erfolglos bleibt. Der aufbereitete Samen des Partners, oder eines Spenders, wird direkt in die Gebärmutter gespritzt, wodurch der Weg zwischen Samenzelle und Eizelle verkürzt wird.
- In-vitro-Fertilisation: Im Rahmen einer IVF wird eine Samenzelle gemeinsam mit einer Eizelle in einer Kulturschale abgelegt, wo sich beide aus eigenen Kräften vereinen. Im Anschluss wird der kultivierte Embryo in die Gebärmutter der Patientin übertragen.
- Intrazytoplasmatische Spermien-Mikroinjektion: Eine ICSI verläuft ähnlich wie eine IVF, allerdings wird hierbei die Samenzelle direkt in die Eizelle injiziert.
- Samenspende: IVI verfügt über eine der größten Samenbanken der Welt. Jeder Spender wird sorgfältig ausgewählt und jede Samenspende mehrfach untersucht und analysiert. Eine Samenspende ist dann sinnvoll, wenn die Samen des eigenen Partners eine mangelhafte Qualität oder Quantität aufweisen.
- Eizellspende: Diese Option steht heterosexuellen und lesbischen Paaren sowie alleinstehenden Frauen zur Verfügung.
Da TSH-Wert und Kinderwunsch zusammenhängen, sollten Frauen mit Kinderwunsch sichergehen, dass ihre Schilddrüse voll funktionsfähig ist. Sowohl eine Schilddrüsenunterfunktion als auch eine Schilddrüsenüberfunktion wirken sich negativ auf die Chancen einer natürlichen Befruchtung aus. Bei weiblichen sowie männlichen Fruchtbarkeitsproblemen jeglicher Art sollten Sie sich an unsere Spezialisten wenden. Vereinbaren Sie noch heute ein Beratungsgespräch und lassen Sie sich über unser breitgefächertes Angebot an Fruchtbarkeitstechniken informieren.
TSH-Wert und Kinderwunsch: häufigste Frage
Dies sind einige der häufigsten Fragen zum Einfluss der Schilddrüsenhormone auf die Fruchtbarkeit und die Chancen auf eine Schwangerschaft.
Ist es wichtig, die Schilddrüsenfunktion vor Beginn einer Behandlung der künstlichen Befruchtung zu überprüfen?
Ja. Gut eingestellte Schilddrüsenhormone vor einer Fertilitätsbehandlung können die ovarielle Reaktion, die Einnistungsrate und insgesamt die Behandlungsergebnisse verbessern.
Muss die Schilddrüsenmedikation während der Schwangerschaft angepasst werden?
Sobald Sie schwanger sind, sollten Sie immer eng mit der Fachärztin oder dem Facharzt zusammenarbeiten, der Ihre Schilddrüsenerkrankung betreut. Der Hormonbedarf verändert sich während der Schwangerschaft, weshalb in der Regel häufigere Kontrollen und Dosisanpassungen notwendig sind, um geeignete Werte aufrechtzuerhalten.
Wie beeinflussen Schilddrüsenhormone die Entwicklung des Babys?
In den ersten Schwangerschaftswochen ist der Fötus vollständig auf die mütterlichen Schilddrüsenhormone angewiesen. Deshalb ist eine sorgfältige medizinische Kontrolle entscheidend, um sicherzustellen, dass sich die Schwangerschaft normal entwickelt.
Bibliographie
American Thyroid Association. (2026). Guidelines of the American Thyroid Association for the diagnosis and management of thyroid disease during pregnancy and the postpartum. American Thyroid Association Clinical Guidelines.
Endocrine Society. (2026). Management of thyroid dysfunction during pregnancy and postpartum: An Endocrine Society clinical practice guideline. Endocrine Society Practice Guidelines.
American Society for Reproductive Medicine. (2026). Subclinical hypothyroidism in the infertile female: A committee opinion. ASRM Practice Guidance.
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