22 September 2017

Wie Schilddrüsenfunktionsstörungen die Fruchtbarkeit beeinflussen

ivi fruchtbarkeit

Die Schilddrüse ist die hormonelle Steuerzentrale des Körpers. Ihre Funktionsfähigkeit hat Einfluss auf die Fertilität. Deswegen ist die Abklärung und Behandlung von Schilddrüsenfunktionsstörungen ein wichtiger Bestandteil der Reproduktionsmedizin.

Wenn die Schilddrüse nicht richtig arbeitet, werden zwar die wichtigsten Bereiche, wie z.B. das Herz, weiterhin versorgt, aber andere weniger. Es kann also auch den Kinderwunsch beeinträchtigen, indem es zu Zyklusproblemen oder gar zu Fehlgeburten kommen kann.

 

 

Schilddrüsenhormone         

Das Thyreoidea-stimulierende Hormon TSH  wird von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) produziert und gelangt über das Blut zur Schilddrüse, wo es die Produktion der Schilddrüsenhormone anregt. Das Schilddrüsenhormon Thyroxin, auch T4 genannt, wirkt sich auf das luteinisierende Hormon (LH), das Prolaktin und die Höhe des   sexualhormonbindenden Globulins aus. LH, auch Gelbkörperhormon genannt, sorgt dafür,     dass Geschlechtszellen produziert werden und reifen, sowohl die von der Frau (Auslösen des Eisprungs) als auch die vom Mann (die Reifung der Spermien). Prolaktin ist für die Milchproduktion in der Brustdrüse der Mutter nach der Geburt zuständig. T3 (Trijodthyronin) ist ein zweites Schilddrüsenhormon. Zusätzlichen direkten Einfluss auf die ovulatorische Funktion hat die Schilddrüse aufgrund von T3-Rezeptoren, die in den Eierstöcken vorhanden sind.

Innerhalb der Schwangerschaft verändern sich die Stoffwechsel der Schilddrüse. Dies ist einem Mehrbedarf an notwendigem Thyroxin geschuldet. Nur eine gesunde Schilddrüse kann diesen Anforderungen gerecht werden und die entsprechenden physiologischen Mechanismen in Gang setzen.

 

Wie machen sich Über- und Unterfunktionen bemerkbar?

Insbesondere bei jungen Frauen ist eine Hypothyreose, eine Unterfunktion der Schilddrüse, keine Seltenheit. Häufigste Ursache einer latenten oder manifesten Unterfunktion ist eine Entzündung in jungen Jahren, bekannt als Hashimoto-Thyreoditis, eine Autoimmunerkrankung.

 

Symptome einer Unterfunktion sind:

  • Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit, Kälteintoleranz
  • Trockene Haut und Haare, Heiserkeit
  • Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen
  • Unregelmäßiger Zyklus

Für eine Schwangere mit Unterfunktion der Schilddrüse besteht ein erhöhtes Risiko einer Fehl- oder Frühgeburt ausgesetzt.

 

Bei der Schilddrüsenüberfunktion, der Hyperthyreose, sind die TSH-Werte hingegen erniedrigt. Im jungen Alter ist dafür häufig eine immunogene Überfunktion die Hauptursache, die mit Morbus Basedow einhergeht, einer chronisch Schilddrüsenentzündung (Autoimmunthyreopathie). Bei dieser Erkrankung werden Antikörper oder T-Zellen gegen das eigene Schilddrüsengewebe gerichtet. In einer Sonographie zeigt sich die Schilddrüse oft stark vergrößert.

Im höheren Alter ist ein autonomes Adenom (Schilddrüsengewebe, welches unkontrolliert Hormone produziert) die typische Ursache einer Überfunktion.

 

Symptome einer Überfunktion sind:

  • Körperliche Unruhe, Herzrasen,
  • Schlaflosigkeit
  • Gewichtsabnahme, Haarausfall
  • Wärmeintoleranz, übermäßige Schweißproduktion (Hyperhidrosis)

 

Fieber, Durchfall und Zyklusstörungen weisen auf schwere Hyperthyreose hin. Eine unbehandelte, manifeste Hypothyreose kann die Fertilität der Mutter negativ beeinträchtigen. Die Konzeptfähigkeit ist nachweislich gesenkt. Die Therapie einer manifesten Hyperthyreose ist immer erforderlich. Handelt es sich hingegen um eine latente Überfunktion, sind Beeinträchtigungen der Fruchtbarkeit und Schwangerschaft nicht behandlungsbedürftig. Die Ursache sollte nichtsdestotrotz abgeklärt werden.

 

Wie lassen sich Funktionsstörungen der Schilddrüse behandeln?

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion ist der TSH-Wert, wie erläutert, häufig zu hoch. Bei Kinderwunsch und Schwangerschaft wird ab einer bestimmten TSH-Erhöhung (größer als 2,5 mlU/l) die Substitution (der Ersatz) des Schilddrüsenhormons empfohlen. Mit der Schilddrüsenhormonsubstitutionstherapie wird die Senkung dieses Wertes auf 1,0 mlU/l angestrebt. Besteht keine Schwangerschaft oder Kinderwunsch, sind die zu erreichenden Zielwerte andere. Bei einer frühzeitigen Einleitung einer Schilddrüsenhormontherapie kann das erhöhte Risiko einer Fehlgeburt deutlich reduziert werden.

 

Überfunktion: Im ersten Schwangerschaftsdrittel kann eine vorübergehende Schwangerschaftshyperthyreose auftreten. Diese muss üblicherweise nicht behandelt werden. Handelt es sich aber nicht um diese HCG-induzierte Überfunktion, muss eine Therapie der manifesten Hyperthyreose mit Thyreostatika durchgeführt werden. Schilddrüsenknoten lassen sich nur durch eine Radiojodtherapie oder eine Operation heilen.  Mit einer Schwangerschaft sollte idealerweise gewartet werden, bis ein Nachlassen eingetreten ist oder eine definitive Therapie durchgeführt wurde.

Tritt die Überfunktion in der Schwangerschaft auf, ohne dass es sich um die besagte Schwangerschaftshyperthyreose handelt, ist meistens auch eine Therapie in der Schwangerschaft erforderlich, um mütterliche und auch fetale Komplikationen zu vermeiden. Die Dosis von Thyreostatika sollte dann möglichst niedrig gewählt werden.

Jede Schwangere und Stillende sollte mit 150-200 µg Jodid pro Tag versorgt werden, sofern sie nicht an einer manifesten Schilddrüsenüberfunktion leidet.

 

Endokrinologische Behandlung bei IVI
Im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung sollte die Schilddrüsenfunktion immer mit abgeklärt werden. Bei IVI gibt es spezielle Abteilungen für Endokrinologie, in denen Hormon- und Stoffwechselstörungen behandelt werden. Der Besuch beim Endokrinologen ist vor allem bei unregelmäßigen Regelblutungen, Störungen des Eisprungs oder auch bei Schwangerschaftsdiabetes anzuraten. Diese Erscheinungen können ihre Ursache in hormonellen Störungen haben. In 10 bis 23% der Fälle sind sie der Grund für Fehlgeburten. Neben Schilddrüsenfunktionsstörungen gehören dazu auch Fehlfunktionen männlicher und weiblicher Keimdrüsen (Eierstöcke/Hoden), das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS), Hyperandrogenismus (Überschuss an männlichen Hormonen) sowie Typ 1- und Typ-2-Diabetes, Insulinresistenz und Fettleibigkeit.

Gesunde und ausgewogene Ernährung kann häufig der Schlüssel sein, um die Symptome zu lindern oder zu bekämpfen und mit ihnen auch die Unfruchtbarkeit.

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