11 Dezember 2017

HIV und Kinderwunsch

Seit 1988 wird an jedem 1. Dezember weltweit der Welt-AIDS-Tag begangen. Er ruft zu Solidarität mit HIV-Infizierten und AIDS-Kranken auf. Wie viele Menschen verspüren natürlich auch von dieser Krankheit Betroffene den Wunsch nach eigenen Kindern. Mithilfe der Reproduktionsmedizin und, niemals zu vergessen, der psychologischen Betreuung unserer Patient*innen kann dieser Wunsch in Erfüllung gehen.

 

Welche Behandlung erfolgt, wenn ein serodiskordantes Paar (bei dem einer der Partner HIV-positiv, der andere HIV-negativ ist) eine Kinderwunschbehandlung anstrebt?

Üblicherweise wird der Gynäkologe über diese sexuell übertragbare Krankheit von den Betroffenen informiert. Auf jeden Fall werden bei der ersten Untersuchung im Kinderwunschzentrum serologische Tests an beiden Partnern durchgeführt, das heißt eine Analyse der Antigen-Antikörper-Reaktionen, um die Krankheit zu bestätigen und festzustellen, ob einer oder beide Partner betroffen sind. Zudem werden alle weiteren notwendigen Befunde eingeholt, dazu gehört die Bestimmung der  Viruslast im Blut.

Ist der Mann von der Virusinfektion betroffen, wird der Gynäkologe ein sogenanntes Sperm Washing anordnen. Dabei werden Spermien so aufbereitet, dass anschließend keine Viren mehr im Sperma vorkommen. Mit der gereinigten Samenprobe wird dann die Kinderwunschbehandlung weitergeführt.
In jüngster Zeit ist die Übertragung der Krankheit in einer festen Beziehung sehr gering. Dafür sind die Verbesserungen der antiretroviralen Medikamente für die HIV-positive Person sowie die Präexpositionsprophylaxe als Präventionsmaßnahme für die HIV-negative Person verantwortlich. So oder so, empfehlen die Wissenschaftler immer eine Spermareinigung im Fall der HIV-Infektion des Mannes, da das Risiko einer Übertragung durch diese Technik praktisch getilgt wird.

Ist die Frau HIV-positiv, müssen verschiedene Voraussetzungen für eine Behandlung erfüllt sein.
Dazu gehört, dass die Viruslast im Blut so niedrig ist, dass sie sich nicht nachweisen lässt, und dass das Immunsystem voll funktionsfähig ist. Üblicherweise wird dann bei den Patientinnen die ICSI-Technik angewendet. HIV-Patientinnen erhalten bei uns den letzten Termin eines Behandlungstages, damit der Operationssaal danach komplett desinfiziert werden kann, um das Risiko einer Übertragung in den Räumlichkeiten des Kinderwunschzentrums zu minimieren. Die Eizellen und Embryonen werden in speziellen Brutkästen, getrennt von denen mit den Eizellen anderer Patientinnen, gelagert. Dies gilt auch für infektiöse Samenproben. Diese werden in einem speziellen Labor für infizierte Proben mit der entsprechenden technischen Ausstattung und allen notwendigen Sicherheitsvorkehrungen aufbereitet.

Welche Techniken werden angewendet, um das Risiko einer Übertragung auf den Embryo zu vermeiden?

Im Falle des HIV-positiven Mannes wird der Virus durch die Reinigung des Spermas entfernt und kann nicht auf Partnerin oder das Baby übertragen werden. Normalerweise wendet man die ICSI-Technik zur Befruchtung der Eizelle an. Im Gegensatz zur künstlichen Befruchtung kann die aufgearbeitete Probe eingefroren werden und, falls erforderlich, für mehrere ICSI-Behandlungen  verwendet werden. Beim ICSI-Verfahren kommt die Eizelle zudem mit der kleinstmöglichen Spermienmenge in Berührung, nämlich mit nur einer einzigen Samenzelle. Damit geht man noch einmal auf Nummer sicher, was das Risiko einer Übertragung anbetrifft, obwohl schon vorher das Nichtvorhandensein des Virus getestet und bestätigt wurde. Samenproben, bei denen Viren nach der Aufbereitung nachgewiesen werden, werden direkt entsorgt und nicht verwendet.

Für die ICSI-Technik spricht ebenfalls, dass die Schwangerschaftsraten höher sind als nach einer künstlichen Insemination.

 

Wie funktioniert die Reinigung des Spermas?

Es handelt sich um eine sehr gründliche Aufbereitung. Ziel ist es, die Samenzellen zu gewinnen, die die höchste Motilität aufweisen, denn ihre gute Qualität ist ein Indikator dafür, dass sie vom Virus nicht betroffen sind.
In einer ersten Phase findet eine normale Reinigung der Samenprobe mit SpermWash statt, einem  Medium, dass lebende, motile Samenzellen vom Samenplasma oder der Samenflüssigkeit trennt. In dieser Trägerflüssigkeit der Samenzellen befinden sich die für eine Virusinfektion empfänglichen Zellen (z.B. Leukozyten).

Als nächstes findet die Aufbereitung des Ejakulats mittels einer Dichtegradientezentrifugation statt. Mit diesem Verfahren lassen sich die motilen Spermien selektieren.

Der dritte Schritt besteht in einer erneuten Reinigung per sogenannter  Swim-Up-Technik, durch die aus den vorher selektierten Samenzellen die mit der besten Motilität herausgefiltert werden.

Zum Schluss wird ein Teil der Probe in einer unter Quarantäne stehenden Samenbank eingelagert, der andere Teil wird zum HIV-Test mittels Nested-PCR (Polymerase-Kettenreaktion) ins Labor geschickt. Kleinste Virusmengen werden bei diesem Test festgestellt. Fällt der PCR-Test negativ aus, kann die eingefrorene aufgearbeitete Samenprobe zur Befruchtung der Eizelle verwendet werden.

Stehen die Paare nach erfolgreicher Kinderwunschbehandlung unter spezieller Kontrolle zur Vermeidung einer Übertragung auf den Fötus während der Schwangerschaft? Besteht auch bei der Geburt das Risiko einer Virusübertragung bei HIV-infizierten Müttern?

Fall: HIV-positiver Mann und HIV-negative Frau

Ist der Mann vom Virus betroffen, sind keine speziellen Maßnahmen während der Schwangerschaft notwendig. Jedoch wird die Durchführung regelmäßiger Tests während der Schwangerschaft und nach der Geburt von den Medizinern empfohlen, wenn das Paar ungeschützten Sex praktiziert.

Fall: HIV-infizierte Schwangere

Die Viruslast sowie die Werte der CD4-Lymphozyten der werdenden Mutter und mögliche Auswirkungen der antiretroviralen Therapie auf den Fötus müssen während der gesamten Schwangerschaft überwacht werden. In der 34.-36. Schwangerschaftswoche entscheidet der Wert der Viruslast über die Art der Geburt. Wird eine Viruslast im Blut nachgewiesen, findet ein Kaiserschnitt statt und es wird empfohlen, nicht zu stillen, sondern künstliche Säuglingsnahrung zu verwenden. Wenn keine Viruslast nachgewiesen wird, spricht die Infektion der Mutter selbst nicht gegen eine natürliche Geburt.
Die Informationen zu diesem Blog wurden von Dr. Rocío Rivera, Leiterin des Andrologie-Labors, Dr. Juan Giles, Gynäkologe, sowie Dr. Arancha Galán, stellvertretende Leiterin des IVF-Labors bereitgestellt. Alle drei Spezialisten sind an der Kinderwunschklinik IVI Valencia tätig. Hier werden Patient*innen auch in deutscher Sprache betreut.

Fordern sie unverbindlich weitere informationen an:

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