27 Juni 2018

Männliche Unfruchtbarkeit: Ursachen, Diagnose, Lösungen

 

 

Es ist nach wie vor ein weitverbreitetes Vorurteil, dass Unfruchtbarkeit eine weibliche Angelegenheit ist, wenn ein Kinderwunsch unerfüllt bleibt. Dem ist aber nicht so. Im Gegenteil sind die Ursachen der Infertilität bei Männern und Frauen gleich verteilt. 30 Prozent der Ursachen für Unfruchtbarkeit liegen beim Mann, 30 Prozent bei den Frauen. In 20 Prozent der Fälle finden sich Ursachen bei beiden Partnern. Die restlichen 20 Prozent sind ungeklärt oder können nicht eindeutig zugeordnet werden. Dass ein Mann nicht in der Lage ist, Kinder zu zeugen, kann eine ganze Reihe von Gründen haben. Daher ist die genaue Analyse einer Unfruchtbarkeit bei Männern unumgänglich. Eine Hormonstörung kommt ebenso in Betracht wie eine Infektion, ein Gendefekt ebenso wie eine Erkrankung im frühen Kindesalter. Männer, die mit ihrer Unfruchtbarkeit konfrontiert werden, reagieren oft mit Zweifeln an ihrer Männlichkeit. Dazu gibt es keinerlei Anlass. Unfruchtbarkeit bei Männern hat nichts mit Männlichkeit zu tun.

 

Verständnis und Offenheit der Partner

Weil viele Männer diese Diagnose unvorbereitet trifft, ist es wichtig, dass das Paar offen darüber spricht und sich in dieser Situation mit Geduld, Offenheit und Verständnis begegnet. Unsere Spezialisten von den IVI-Kliniken wissen, dass es sich bei einer Unfruchtbarkeit, ob von der Seite des Mannes oder der Frau, grundsätzlich um ein sensibles Thema handelt und bieten Ihnen daher psychologische Unterstützung an. Außerdem ist es für uns wichtig, dass Sie, die Patienten und Patientinnen, umfassend aufgeklärt sind, bevor wir mit Ihnen die Möglichkeiten einer Infertilitätsbehandlung durchgehen. In diesem Blog klären wir Sie über die Ursachen der Unfruchtbarkeit beim Mann auf und zeigen Ihnen Wege auf, damit der Traum vom Wunschkind kein Traum bleibt.

 

Kann man Unfruchtbarkeit selbst feststellen?

Die Zeugungsunfähigkeit an sich verursacht keine Beschwerden. Sie wird bei einem Mann erst dann diagnostiziert, wenn funktionelle Potenz- oder Sexualstörungen vorliegen und sich der Wunsch nach einem Baby nicht erfüllt. Zu diesem Zeitpunkt beginnt man, nach einer Ursache zu suchen. Bis zu einem gewissen Grad kann ein Mann seine beginnende Unfruchtbarkeit selbst feststellen, nämlich dann, wenn ihm gravierende Veränderungen und Beschwerden auffallen. Das Anschwellen der Hoden könnte damit zusammenhängen. Auch eine auffällige, aber unerklärliche Gewichtszu- oder abnahme kann Symptom einer Unfruchtbarkeit sein, ebenso wie Schmerzen in den Hoden, beim Wasserlassen und Ausfluss aus dem Penis. Weil es jedoch zahlreiche Gründe für eine Infertilität, ist letzten Endes nur ein Spermiogramm aussagekräftig.

 

Ursachen einer Unfruchtbarkeit beim Mann

Zu den häufigsten Ursachen der Unfruchtbarkeit bei Männern zählen Störungen bei der Spermienproduktion und/oder mangelnde Spermienqualität. Gelegentlich kommen auch mehrere Gründe zusammen:

 

  • Mumpserkrankung während der Kindheit
  • Hodenhochstand bei Neugeborenen, der entweder unbehandelt oder sehr spät operiert wurde
  • Hormonstörungen. Für die Neubildung von Spermien sind die Hormone LH (Luteinisierungshormon) und FSH (follikelstimulierendes Hormon) entscheidend. LH sorgt für die Testosteronproduktion im Hoden. Ein Mangel verringert meist die Libido. FSH hat direkten Einfluss auf die Neubildung von Spermien im Hoden
  • Hoden- oder Nebenhodenentzündungen in jungen Jahren oder als Kind
  • Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhoe oder Syphilis
  • Erektile Dysfunktion
  • Ausbleibende Ejakulation
  • Entzündungen der Geschlechtsdrüsen wie Prostata, Samenblasen
  • Diabetes
  • Chemo- und Bestrahlungstherapie bei Krebs
  • Chromosomale Veränderungen. Beim Klinefelter-Syndrom haben Männer zwei X-Chromosomen und produzieren zu wenig Testosteron
  • Überhitzte Hoden, wie sie durch Krampfadern verursacht werden. Auch Sportarten (Radfahren in enger Kleidung) und Arbeitsplätze mit dauerhaften Temperaturen über 32 Grad senken die Spermienmenge
  • Eingeschränkter Spermientransport (Obstruktive Azoospermie), aufgrund einer Chlamydieninfektion, Hoden- oder Prostataentzündung, durch Harnröhrenverengung, nach einer Leistenbruchoperation oder bei der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose
  • Antikörper gegen den eigenen Samen
  • Anabolika
  • Alkohol- und Tabakkonsum, Stress, Medikamente und Umweltgifte

 

Fragen nach dem Lebensstil

Um die Unfruchtbarkeit eines Mannes zu erkennen, ist für unsere Mediziner der IVI-Kinderwunschkliniken eine gründliche Anamnese unerlässlich. Mit welcher Sorgfalt vorgegangen werden muss, zeigt sich alleine an der Vielzahl der genannten Ursachen. Daher stellen wir zunächst Fragen nach dem Lebensstil, Vorerkrankungen, Operationen, Medikamenten, nach Stressfaktoren, sportlichen Aktivitäten, Nikotin- und Alkoholkonsum sowie Ernährungsgewohnheiten. Danach werden die Geschlechtsorgane untersucht und es wird eine Blutanalyse gemacht, um die Hormonwerte zu bestimmen. Um die Diagnostik zu vervollständigen, erstellen wir ein Spermiogramm. Das ist eine der wichtigsten Untersuchungen, um die Unfruchtbarkeit zu testen.

 

Die Bedeutung eines Spermiogramms

Ein Spermiogramm liefert alle Parameter, die notwendig sind, um die Unfruchtbarkeit bei Männern festzustellen. Ein Mann, der ein Kind zeugen möchte, benötigt rund 20 Millionen Samenzellen pro Milliliter in seinem Ejakulat. Es ist jedoch nicht die Quantität alleine, die den Ausschlag gibt. Die Spermien müssen ausreichend beweglich und normal geformt sein. Auch die Überlebensdauer spielt eine Rolle. Ein weiterer wichtiger Punkt sind freie Transportwege. Es darf für die Spermien keine Hindernisse geben auf ihrem Weg von den Hoden in die Nebenhoden über den Samenleiter bis nach außen zum Samenerguss. Und schließlich muss auch der Weg in die Gebärmutter gelingen.

 

Enthaltsamkeit vor der Samenprobe

Um ein Spermiogramm durchzuführen, benötigen wir für unsere Labors eine Samenprobe.  Vor der Spermaabgabe ist eine Enthaltsamkeitsphase von drei bis fünf Tagen erforderlich, um möglichst viele qualitativ hochwertige Spermien zu bekommen. Da sich bei jeder Ejakulation die Spermienzahl reduziert, ist diese Karenzzeit erforderlich. Wartet man allerdings zu lange, kann sich die Beweglichkeit der Spermien verschlechtern. Da ein Spermiogramm jedoch immer nur eine Momentaufnahme ist, wird mindestens noch ein weiteres Spermiogramm durchgeführt.

 

Spermien unterm Mikroskop

Sobald die Samenprobe vorliegt werden die Eigenschaften des Ejakulats unterm Mikroskop aufgeschlüsselt. Gemessen werden die Spermienkonzentration pro Milliliter, Gesamtzahl der Spermien, der Anteil lebender Spermien, Beweglichkeit, Morphologie (Form), das Ejakulatvolumen und der pH-Wert. Auch Geruch und Farbe werden geprüft. Sobald diese Ergebnisse vorliegen, werden sie mit den Standards verglichen, die von der Weltgesundheitsorganisation festgesetzt wurden. Nach den Normwerten der WHO muss mindestens eine Spermienkonzentration von 20 Millionen pro Milliliter vorliegen, eine Gesamtspermienzahl von mindestens 40 Millionen pro Ejakulat und eine Mindestbeweglichkeit von 32 Prozent. 4 Prozent der Samen müssen laut WHO normal geformt sein.

 

Was das Spermiogramm verrät

Wenn im Ergebnis des Spermiogramms sichtbar wird, dass gleichzeitig Anzahl, Form und Beweglichkeit der Samen eingeschränkt sind, spricht man vom OAT-Syndrom (Oligo-Astheno-Teratozoospermie-Syndrom). O steht für Oligo und bedeutet zu wenig, A für Astheno heißt wenig beweglich und T für Terato bedeutet fehlgeformt. Auch andere Faktoren können wir aus den Ergebnissen herauslesen. Eine erhöhte Zahl von Leukozyten im Ejakulat deutet auf eine Entzündung hin. Außerdem lässt sich erkennen, ob Antikörper vorhanden sind, die die eigenen Samen zerstören. In diesem Fall besteht die Möglichkeit, Samen aus dem Hodengewebe zu entnehmen, um ihn später für eine künstliche Befruchtung zu verwenden.

 

Mit verschiedenen Methoden doch noch zum Wunschkind

Sobald uns alle Ergebnisse vorliegen, besprechen wir mit unseren Patient**innen das weitere Vorgehen. Denn die Unfruchtbarkeit eines Mannes bedeutet noch lange nicht den Verzicht auf ein Wunschkind. Die Experten unserer IVI-Kliniken können Ihnen unterschiedliche Behandlungsmethoden anbieten. So ist die künstliche Insemination beispielsweise eine der gängigsten Methoden der assistieren Reproduktionsmedizin. Die Insemination wird entweder mit dem eigenen oder mit Spendersamen durchgeführt. Welche Variante wir Ihnen empfehlen, hängt natürlich entscheidend von der Samenqualität ab.

 

MACS und ICSI

Um den Samen zu verbessern und aufzubereiten, verwenden unsere Ärzte die beiden Techniken ICSI und MACS. Bei ICSI handelt es sich um eine Intrazytoplasmatische Injektion, für die eine Samenprobe oder eine Hodenbiopsie erforderlich ist. Das am besten geeignete Spermium wird ausgesucht und direkt in die Eizelle der Frau übertragen. Das erleichtert die Befruchtung und erhöht die Chancen auf eine Schwangerschaft. Diese Technik wird vor allem bei Männern angewendet, deren Spermien nur gering beweglich sind und eine negative Form aufweisen. Auch bei einer Teratozoospermie, wenn also der Anteil anormaler Spermien sehr hoch ist, empfehlen wir die ICSI.

 

Mit MACS steht uns eine Technik zur Verfügung, mit der die Samenprobe auf spezielle Weise aufbereitet werden kann. MACS bedeutet „Magnetisch aktivierte Zellsortierung“. Winzige Magnetpartikel heften sich an jene Spermien an, die nur eine geringe Überlebenschance haben und vor der Befruchtung einer Eizelle absterben werden. Auf diese Weise können gesunde Spermien mit den besten Eigenschaften für eine künstliche Befruchtung ausgewählt werden. Die MACS-Technik kann grundsätzlich bei allen Patient**innen angewendet werden, eignet sich aber besonders für die künstliche Insemination und die In-vitro-Fertilisation (IVF) und für eine Kombination aus IVF und ICSI.

 

Künstliche Befruchtung mit Spendersamen

Die künstliche Insemination mit Spendersamen wird dann in Erwägung gezogen, wenn die Ursache für die Unfruchtbarkeit beim Mann in einer hochgradig pathologischen Veränderung des Samens liegt. Ebenso, wenn weder im Ejakulat noch bei einer Hodenbiopsie Spermien gefunden werden konnten. Bei chromosomalen Anomalien im Samen oder einer genetischen Erkrankung, die nicht beim Embryo untersucht werden kann, ist ebenfalls eine Samenspende angeraten.

 

Spendersamen wird auch bei anderen Behandlungsmethoden notwendig, wenn die Qualität der eigenen Spermien nicht für eine erfolgreiche Befruchtung ausreicht. Das gilt für die klassische In-vitro-Fertilisation, der am häufigsten angewendeten Behandlungsmethode in der Reproduktionsmedizin, ebenso wie für eine Eizellspende. Auch bei der IVF Genetic, einer Kombination aus IVF (In-Vitro-Fertilisation) und PGS (Preimplantation Genetic Screening) raten wir unfruchtbaren Männern zu Spendersamen.

 

Kein Grund, die Hoffnung aufzugeben

Wird die Unfruchtbarkeit eines Mannes diagnostiziert, mag das zunächst für beide Partner ein schwerer Schlag sein – es ist jedoch keineswegs ein Grund, die Hoffnung auf ein Kind aufzugeben. Im Gegenteil: Wir haben Ihnen in diesem Blog nicht nur die komplexen Hintergründe und Symptome einer Unfruchtbarkeit beim Mann erklärt, sondern Ihnen auch die Wege aufgezeigt, die die Reproduktionsmedizin leisten kann. Und Möglichkeiten, wie wir von den IVI-Kliniken Ihnen helfen können. Unsere hoch spezialisierten Mediziner werden Ihnen von Anfang an mit Rat und Tat zur Seite stehen und Sie auf Ihrem Weg zum Wunschkind fachkundig begleiten.

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