1 August 2018

Schwangerschaftsdiabetes – eine süße Krankheit mit ernsten Folgen

IVI

 

Er gilt als häufigste Erkrankung einer werdenden Mutter: der Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes, kurz GDM), der sich etwa ab der 20. Schwangerschaftswoche entwickeln kann. Nach Ende der Schwangerschaft ist er meistens wieder verschwunden. Ungeachtet dessen muss ein solcher Diabetes therapiert werden, um die werdende Mutter und das ungeborene Kind nicht zu gefährden und um Spätfolgen zu minimieren. Wichtig zu wissen: Es handelt sich hier nicht um Frauen mit einem bereits bestehenden Diabetes, sondern um Frauen, die diese Erkrankung während ihrer Schwangerschaft entwickeln. Einem besonders hohen Risiko sind Frauen ausgesetzt, bei denen bereits während einer früheren Schwangerschaft ein Diabetes diagnostiziert wurde oder die besonders große Kinder geboren hatten. Auch bei Frauen in höherem Alter steigt das Risiko, ebenso falls es in der Familie (Schwester, Bruder, Elternteil) Diabetiker gibt. Über den Schwangerschaftsdiabetes, dessen Ursachen und die Behandlung, wie Schwangere selbst aktiv werden können, informieren Sie die Experten unserer IVI-Kliniken in diesem Blog.

 

Eine Krankheit nur während der Schwangerschaft

Für viele Schwangere ist es zunächst ein Schock, zu erfahren, dass bei ihnen ein Diabetes vorliegt. Zumal sie vor der Schwangerschaft nicht unter einer Zuckerkrankheit gelitten hatten. In der Tat tritt diese Form des Diabetes mellitus nur während der Schwangerschaft auf, meist zwischen der 24. und 28. Woche, und wird daher als Schwangerschaftsdiabetes, Typ-4-Diabetes bezeichnet. Zur Beruhigung aller Patientinnen, die sich in einer unserer Kliniken einer künstlichen Befruchtung unterziehen möchten: Frauen, die mittels einer In-vitro-Fertilisation (IVF) schwanger werden, unterliegen keinem größeren Risiko für einen Gestationsdiabetes als andere.

 

Wer besonders gefährdet ist

Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die das Entstehen eines Schwangerschaftsdiabetes begünstigen:

 

  • Übergewicht und Fettleibigkeit
  • Genetische Veranlagung
  • Schwangerschaftsdiabetes bei einer früheren Schwangerschaft
  • Hohes Geburtsgewicht des Kindes bei einer früheren Schwangerschaft (mehr als 4 500 g)
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)
  • Familiärer Diabetes
  • Blutdrucksenkende Medikamente
  • Medikamente, die Kortison enthalten
  • Wiederholte Fehlgeburten
  • Höheres Alter der werdenden Mutter
  • Sowohl aktiv als auch passiv rauchen
  • Depressionen, die sich zwischen der 8. und 13. Schwangerschaftswoche entwickeln

 

Folgen für Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes

Trotz früher Diagnostik und guten Therapiemöglichkeiten gilt eine Schwangerschaft mit Schwangerschaftsdiabetes als Risikoschwangerschaft, da mit einem erhöhten Glukosespiegel im Blut Komplikationen einhergehen können.

 

  • Zuviel Fruchtwasser kann zu vorzeitigem Blasensprung führen, wenn die Gebärmutter die hohe Flüssigkeitsmenge nicht mehr halten kann. Festgestellt wird das mittels Ultraschall.
  • Ein nicht ausreichend therapierter Schwangerschaftsdiabetes kann Bluthochdruck (Hypertonie) auslösen.
  • Werden zeitgleich mit der Hypertonie eine Eiweißausscheidung im Urin und Ödembildung beobachtet, kommt es zu einer Eklampsie, die sich durch neurologische Störungen bemerkbar macht.
  • Blasen- und Nierenbeckenentzündungen aufgrund von Glukose im Harn.
  • Da aufgrund hoher Zuckerwerte das Ungeborene übermäßig groß wird, kann es Probleme bei der Geburt geben. Es besteht die Gefahr, dass das Kind im Becken der Mutter stecken bleibt. Daher entschließen sich Gynäkologen in der Regel für eine Kaiserschnittgeburt.
  • Die Hälfte der Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes entwickelt innerhalb der nächsten zehn Jahre eine bleibende Zuckerkrankheit, vor allem wenn der Schwangerschaftsdiabetes mit Insulin behandelt werden musste. Daher ist nach der Geburt eine regelmäßige Blutzuckerkontrolle erforderlich.

 

Komplikationen beim Kind

  • Babys sind zwar deutlich größer, aber funktionell nicht ausgereift. Es kommt oft zu Atemproblemen, weil die Lunge nicht voll funktionsfähig ist.
  • Erhöhtes Risiko für Fehlbildungen, insbesondere des Herzens.
  • Ein Überschuss an Bilirubin, dem Abbauprodukt von Hämoglobin (Blutfarbstoff) führt zu Gerinnungsstörungen bis hin zu einer Neugeborenen-Gelbsucht.
  • Unterzuckerung durch eine überhöhte Insulinproduktion des ungeborenen Kindes im Mutterleib kann nach der Geburt zu einer Unterzuckerung des Säuglings führen.
  • Kinder haben ein höheres Risiko, bereits in frühen Jahren einen Diabetes zu entwickeln.

Hormone spielen eine zentrale Rolle

Eine der Ursachen für den Schwangerschaftsdiabetes liegt im veränderten Hormonhaushalt. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Hormon Insulin, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Insulin bringt Glukose (Traubenzucker) aus dem Blut in die Zellen. Dort sorgen Zuckermoleküle für die Energiegewinnung. Bei Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes liegt offenbar bereits zu Beginn eine chronisch reduzierte Insulinsensitivität vor. Was bedeutet, dass die Zellen nicht so auf das blutzuckersenkende Insulin reagieren wie sonst. Im Verlaufe der Schwangerschaft verstärkt sich dieser Mangel weiter, sodass die Zellen noch unempfindlicher gegen Insulin werden.

 

Wenn Hormone zum Gegenspieler werden

Dass diese Reaktion gerade ab der 20. Schwangerschaftswoche auftritt, hängt mit der starken hormonellen Veränderung im Körper der Frau zusammen. Insbesondere in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft werden größere Mengen an Östrogen, Gestagen, Kortisol, Plazentalaktogen, Progesteron und Prolaktin produziert. Sie sind u.a. für eine vermehrte Bereitstellung von Energie zuständig, damit sich das Kind optimal entwickeln kann. Dieser Hormoncocktail wirkt allerdings als Gegenspieler des Insulins und setzt die Wirkung des Insulin herab, dadurch wird mehr Insulin benötigt als üblich.

 

Zuwenig Insulin hat Konsequenzen

Normalerweise können Schwangere trotz dieser komplexen Hormonsituation ausreichend Insulin produzieren, um einen erhöhten Blutzuckerspiegel zu verhindern. Bei manchen ist das nicht der Fall, sodass zu wenig Insulin produziert wird. Die Folge: Es kann nicht mehr ausreichend Zucker aus dem Blut in die Zellen weitergeleitet werden. Dadurch staut sich der Zucker in den Blutbahnen, der Blutzuckerspiegel steigt. Das Insulin wirkt also schlechter, es entsteht eine Insulinresistenz, aus der sich der Schwangerschaftsdiabetes entwickelt. Er ähnelt dem Typ-2-Diabetes, der mit Abstand häufigsten Form der Zuckerkrankheit.

 

Kaum Symptome aber Hinweise

Anders als beim Typ-2-Diabetes zeigt der Schwangerschaftsdiabetes andere Symptome und nur selten die klassischen Hinweise, wie großen Durst, häufiges Wasserlassen, Schwäche und Müdigkeit. Und wenn sie auftreten, meist in sehr abgeschwächter Form, sodass diese Signale im Rahmen einer Schwangerschaft häufig anders interpretiert werden. Dennoch gibt es bestimmte Anzeichen für einen Schwangerschaftsdiabetes, auf die eine Schwangere bzw. der Arzt rasch reagieren sollten:

 

  • Vermehrte Harnwegs- oder Scheidenentzündungen, denn Zucker bereitet den idealen Nährboden für Pilze und Bakterien
  • Bluthochdruck
  • Starke Gewichtsabnahme
  • Ungewöhnliche Größenzunahme des ungeborenen Kindes
  • Hohe Fruchtwassermenge, die der Frauenarzt per Ultraschall feststellen kann

 

Ein Test bringt Gewissheit

Der Schwangerschaftsdiabetes lässt sich durch einen Test bestimmen, bei dem der Glukosespiegel im Venenblut gemessen wird. Die Normalwerte liegen nach einer acht- bis zehnstündigen Nahrungsabstinenz (Nüchternblut) unter 100 Milligramm (mg) pro Deziliter (dl). Nach dem Essen steigt der Blutzuckerwert an, im Normalfall allerdings nicht über 140 mg/dl.

 

Der Test bei Schwangeren wird zwischen der 24. und 28. Woche durchgeführt. Inzwischen plädieren Forscher allerdings dafür, entsprechende Untersuchungen deutlich früher anzusetzen. Frauen mit Kinderwunsch, ob natürlich oder In-vitro, sollten bereits im Vorfeld einer Schwangerschaft regelmäßig ihre Blutzuckerwerte prüfen lassen. Der Test selbst verläuft in mehreren Stufen. Im sogenannten Vortest trinkt die Schwangere Wasser, in dem 50 g Traubenzucker aufgelöst wurden. Eine Stunde später wird der Blutzucker gemessen. Unter 135 mg/dl liegt der Wert im Normbereich. Als auffällig gelten Werte zwischen 135 mg/dl und 200 mg/dl, sind aber noch kein Beweis für einen Schwangerschaftsdiabetes. Daher sind weitere Tests in der Nüchternphase (acht bis zehn Stunden nach der letzten Nahrungsaufnahme) erforderlich, die mit einer Blutabnahme und Blutzuckerbestimmung beginnt. Nach dieser ersten Blutentnahme muss die Schwangere 75 g Traubenzucker in Wasser gelöst trinken. Nach einer Stunde erfolgt die erste, nach zwei Stunden die zweite Messung. Ergebnisse:

 

Test eins (Nüchternphase vor dem Zuckergetränk) 92 mg/dl oder mehr

Test zwei (eine Stunde nach dem Zuckergetränk) 180 mg/dl oder mehr

Test drei (zwei Stunden nach dem Zuckergetränk) 153 mg/dl oder mehr

 

Beim Überschreiten von mindestens einem dieser drei Werte handelt es sich um einen Schwangerschaftsdiabetes.

 

Gesund essen, Kohlenhydrate reduzieren

Abgesehen von der Therapie eines Schwangerschaftsdiabetes sind von Beginn an eine engmaschige Überwachung, strenge Blutzuckerkontrollen und sofortiges Handeln bei Komplikationen erforderlich. Ansonsten helfen meist ganz einfachsten Maßnahmen, um den Blutzuckerspiegel zu normalisieren. Dazu gehören moderate Bewegung und vor allen Dingen eine Ernährungsumstellung, die sogar in 85 % der Fälle zum Erfolg führt. Dabei geht es gar nicht darum, auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten. Es muss nur eine Ausgewogenheit hergestellt werden, die ohnehin zu einer gesunden Ernährung gehören. Auf eine Kurzformel gebracht: weniger Fett und Kohlenhydrate, mehr Ballaststoffe. Die kompetenten Berater in unseren IVI-Kliniken erstellen jederzeit einen passenden Ernährungsplan für Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes. Und so sollte Ihre Speisekarte aussehen:

 

  • Langsam resorbierende Kohlenhydrate (40 bis 50%) wie Vollkornprodukte.
  • Verzichten Sie auf Weißmehlprodukte, Süßwaren und gesüßte Fruchtsäfte, denn diese lassen den Blutzucker in kürzester Zeit emporschnellen.
  • Täglich gehören mindestens 30 g Ballaststoffe (zuckerarme Obstsorten, Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchte) auf den Teller, nicht nur wegen der Vitamine. Sie sorgen auch für eine regelmäßige Verdauung und beugen Verstopfung vor.
  • Maximal 30 % Fette. Verzichten Sie auf tierische Fette und geben Sie stattdessen pflanzlichen Ölen wie Oliven-, Raps- oder Sonnenblumenöl den Vorzug.
  • Maximal 30 % Proteine. Die Eiweiße sind in fettarmer Milch und Milchprodukten enthalten sowie in Fleisch (bevorzugt weißes Fleisch wie Pute und Hühnchen essen) und Wurst. Leicht verdauliche Proteine enthält Fisch, der zweimal wöchentlich auf den Tisch kommen sollte.

 

Drei große Mahlzeiten sollten Sie vermeiden, da auf diese Weise Blutzuckerspitzen entstehen. Verteilen Sie Ihre Nahrungsaufnahme besser auf vier bis fünf kleine Mahlzeiten. Damit beugen Sie auch Heißhunger vor. Ein besonderes Augenmerk sollten Sie auf das Frühstück richten, denn morgens sind die Blutzuckerwerte besonders hoch. Essen Sie beispielsweise Joghurt- oder Früchtequark, ein Eieromelett, Vollkornbrot mit Käse oder Lachs.

 

Sport senkt den Blutzuckerspiegel

Grundsätzlich sollten Frauen während der Schwangerschaft regelmäßig moderaten Sport treiben. Das gilt insbesondere für Frauen mit einem Gestationsdiabetes, denn körperliche Aktivität senkt den Glukosespiegel. Schwimmen, Radfahren, Walken, strammes Spazierengehen sind geeignet, je nachdem was Sie bevorzugen. 30 Minuten pro Woche sind ideal. Wenn Sie vor Ihrer Schwangerschaft Yoga oder Pilates gemacht haben, spricht nichts dagegen, das weiterhin zu tun.

Sollten sowohl Ernährungsumstellung als auch Sport keinerlei Wirkung zeigen, ist eine Insulintherapie erforderlich.

Fordern sie unverbindlich weitere informationen an:

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