8 Januar 2020

Was ist das Fragiles-X-Syndrom?

Fragiles-X-Syndrom

 

Haben Sie schon einmal vom Fragiles-X-Syndrom gehört? Betroffene haben ein längliches Gesicht, einen ausgeprägten Kiefer sowie abstehende Ohren und weisen gewisse Verhaltensmuster auf, die autistische Züge haben können. Wir informieren Sie über diese Krankheit und liefern Ihnen eine Fragiles-X-Syndrom-Definition. Zudem erfahren Sie in diesem Beitrag, wie Träger des Gendefektes therapiert werden können und wie eine Vererbung des Syndroms zustande kommt. IVI ist nicht nur Experte im Bereich der assistierten Reproduktionsmedizin, sondern bietet auch diverse Tests an, mit denen das Risiko einer genetische Erkrankung vor der Schwangerschaft identifiziert werden kann.

 

Was ist das Fragiles-X-Syndrom?

Zunächst widmen wir uns der Fragiles-X-Syndrom-Definition: Das Fragiles-X-Syndrom (auch FraX genannt) stellt die erheblich häufigste Form von geistiger Behinderung und Lerndefiziten dar. Betroffen sind vor allem Jungen und Männer. Rund 1:3.000 Menschen leben mit diesem Gendefekt auf dem X-Chromosom. Die Anomalie ist eine instabile Triplett-Wiederholungsexpansion: Nicht betroffene Menschen haben <54 CGG-Wiederholungen und Menschen mit fragilem X-Syndrom haben >200. Bei Menschen mit 55 bis 200 CGG-Wiederholungen wird eine Prämutation angenommen, da die Zunahme der Anzahl der Wiederholungen die Wahrscheinlichkeit einer Mutation mit >200 Wiederholungen in einer späteren Generation erhöht. Das betroffene Gen ist normalerweise dafür verantwortlich, den Austausch von Neurotransmittern im menschlichen Gehirn zu regulieren, doch im Falle eines überaktiven FraX-Gens kann sich dieses sogar von selbst komplett abschalten.

 

Was sind die Symptome von FraX?

Bei einer Vollmutation ist ein Patient vom Fragiles-X-Syndrom betroffen. Zu den äußeren Merkmalen der Erkrankung zählen ein langes Gesicht, ein stark ausgebildeter Kiefer, abstehende Ohren, überstreckbare Gelenke und größere Hoden bei Männern. Zudem weisen Betroffene autistische Züge wie Aufmerksamkeitsstörungen, Zwangshandlungen oder Hyperaktivität auf. Weibliche Träger einer Vollmutation des Syndroms haben unterschiedliche Besonderheiten. Da Mädchen zwei X-Chromosomen besitzen, wobei es voll und ganz dem Zufall überlassen ist, ob das betroffene oder gesunde X-Chromosom stillgelegt wird, können die körperlichen Merkmale bei Trägerinnen sehr unterschiedlich ausfallen. Bei Frauen mit Prämutation besteht ein hohes Risiko für eine vorzeitige Menopause, Unfruchtbarkeit und Funktionsstörung der Eierstöcke.

 

Bei Männern mit Prämutation besteht ein hohes Risiko für das Fragiles-X-Tremor-Ataxie-Syndrom (FXTAS). Es ist eine genetische Störung, die hauptsächlich Männer betrifft und Tremor, Ataxie sowie Demenz hervorruft. Tremor ist ein häufiges Frühsymptom, auf das Ataxie, Parkinsonismus und schließlich Demenz folgen. Die Symptome von FXTAS treten im fortgeschrittenen Erwachsenenalter auf. Je mehr CGG-Wiederholungen, desto schwerwiegender die Symptome und desto früher der Beginn.

 

Die Behandlung des Syndroms

Die Behandlung des Fragiles-X-Syndroms wird in den meisten Fällen multidisziplinär ausgerichtet. Oftmals werden Medikamente mit Therapien für Verhaltensauffälligkeiten wie einer sensorischen Integration oder einer Sprach- oder Beschäftigungstherapie kombiniert. Insbesondere Kinder reagieren positiv auf Rituale und musikalische Therapien. Statt junge Betroffene zu unterschätzen, sollte man versuchen, sie möglichst früh zu fördern und ihre Talente zu entdecken. Betroffene entwickeln häufig eine Leidenschaft für ein bestimmtes Gebiet, wobei sie mit ihrem Erinnerungsvermögen und Wissen über ihr Hobby anderen Personen nicht selten weit überlegen sind. Zudem werden ständig neue Behandlungen wissenschaftlich getestet.

 

Die Geschichte des Fragiles-X-Syndroms

Im Jahr 1943 wurde das Fragiles-X-Syndrom erstmals wissenschaftlich untersucht. Die englischen Mediziner James Purdon Martin und Julia Bell haben damals eine Familie behandelt, in welcher elf Männer von einer geistigen Behinderung betroffen waren. Daher wurde das Syndrom auch zunächst Martin-Bell-Syndrom genannt. Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Untersuchung haben die beiden Ärzte diese Männer genau miteinander verglichen. In den 1960er und 1970er Jahren bestätigten mehr und mehr Wissenschaftler aus der ganzen Welt die These von Martin und Bell, welche besagte, dass das Syndrom über einen Gendefekt des X-Chromosoms vererbt wird. Im Jahr 1991 gab es dann den großen Durchbruch, als gleich drei Forschungsteams das verantwortliche mutierte Gen zur gleichen Zeit entdeckt haben.

 

Wie wird das Fragiles-X-Syndrom vererbt?

Das Fragiles-X-Syndrom kann über mehrere Generationen hinweg versteckt vererbt werden und ist damit nicht in jeder Generation bemerkbar. Obwohl statistisch gesehen mehr Männer von FraX betroffen sind, wird die Vollmutation von der Mutter vererbt. Männer vererben hingegen höchstens eine Prämutation, auch wenn sie selbst eine Vollmutation aufweisen. Es gilt: Je höher die Anzahl der Tripletts, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es in der nachfolgenden Generation zu einer Vollmutation kommt. Folgende Szenarien können hinsichtlich der Vererbung des Fragiles-X-Syndroms auftreten:

 

  • Die Frau gibt ihr gesundes X-Chromosom weiter und das Kind hat keine Genmutation.
  • Die Frau gibt ihr FraX weiter:
    • Die Triplettanzahl liegt im Prämutationsbereich und das Kind leidet nicht am Syndrom.
    • Die Triplettanzahl liegt im Bereich der Vollmutation und das Kind ist vom Fragiles-X-Syndrom
  • Der Mann gibt sein Y-Chromosom weiter und der Erbgang des Syndroms ist damit unterbrochen.
  • Der Mann gibt sein (fragiles) X-Chromosom und die Tochter ist von einer Prämutation betroffen, welche sich in der nächsten Generation zu einer Vollmutation weiterentwickeln kann.

 

Diagnostik des Syndroms

In unseren europaweiten IVI-Kliniken wird mithilfe der genetischen Präimplantationsdiagnostik (PID) sichergestellt, dass Kinder, die im Rahmen einer medizinisch assistierten Reproduktionsmethode gezeugt werden, ohne Erbkrankheiten zur Welt kommen. Die PID zielt darauf ab, genetische sowie chromosomale Veränderungen an verwendeten Embryonen zu erkennen und damit eine Übertragung von Krankheiten zu verhindern. Je nachdem, ob Sie nach einer numerischen oder strukturellen Chromosomenanomalie oder einer genetischen Anomalie suchen, werden verschiedene Testmethoden angewendet. Das Fragiles-X-Syndrom wird als Einzelgenstörung und nicht als Chromosomenanomalie angesehen. Es ist daher eine monogene Anomalie, die mit dem X-Chromosom zusammenhängt. Diese Krankheit wird vor der Implantation im Rahmen des Preimplantation Genetic Testing von monogenen Krankheiten (PGT-M) untersucht.

 

Welche anderen Argumente sprechen für IVI?

Neben einer ausführlichen Präimplantationsdiagnostik werden in den IVI-Kliniken auch Genetische Kompatibilitätstests (GKT) durchgeführt. Aktuelle sind rund 7.000 Krankheiten wissenschaftlich bekannt, welche durch eine Genstörung verursacht werden. Im Schnitt ist eines von 100 neugeborenen Babys von einer genetischen Krankheit betroffen. Der GKT kann vor einer Schwangerschaft, die auf natürlichem Wege zustande kommt, vor einer Kinderwunschbehandlung sowie vor einer Behandlung mit einer Eizell- oder Samenzellspende angesetzt werden.

 

Bei Verdacht auf eine mögliche Chromosomenanomalie beim Fötus wird Patientinnen empfohlen, einen nicht invasiven Pränataltest durchführen zu lassen. Bei der Untersuchung der freien DNS im Blut können Störungen der Chromosomen 13, 18 und 21 – welche das Down-, Edwards- und Patau-Syndrom verursachen – sowie Anomalien der Geschlechtshormone X und Y aufgedeckt werden.

 

Laut der Fragiles-X-Syndrom-Definition weisen Betroffene sowohl Verhaltensauffälligkeiten als auch prägnante körperliche Merkmale auf. Wenn Sie sichergehen wollen, dass Ihr Kind von diesem Gendefekt verschont bleibt, sollten Sie unsere Spezialisten kontaktieren, um sich hinsichtlich einer Untersuchung beraten zu lassen.

Fordern sie unverbindlich weitere informationen an:

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