21 Februar 2018

Zwei Mütter, ein Kind, dank der ROPA-Methode

Die klassische Familienkonstellation Mutter, Vater, Kind ist in unserer Gesellschaft längst passé und einer Vielfalt an Familienformen gewichen. Die Globalisierung des 21. Jahrhunderts gilt nicht nur für Politik, Wirtschaft, Kultur, Umwelt und Kommunikation, sondern auch für die Gestaltung menschlichen Zusammenlebens. Niemand rümpft mehr die Nase über Patchworkfamilien: Partnerschaften, Eheschließungen und der Kinderwunsch homosexueller Paare sind zu einem selbstverständlichen Teil einer aufgeklärten und toleranten Gesellschaft geworden. Männer lieben Männer, Frauen lieben Frauen. So einfach kann es sein. Wie groß die Sehnsucht nach einem Baby sein kann, erleben wir täglich in unseren IVI Kliniken in Spanien. Die Zahl lesbischer Paare, die sich bei uns Hilfe erhoffen, wächst stetig. Ja, und wir können helfen. Mit einer speziellen Methode, an der sich beide Frauen aktiv an einer künstlichen Befruchtung beteiligen können. Diese Methode wird ROPA genannt, die Abkürzung für das englische „Reception of Oocytes from Partner“. Auf Deutsch heißt das „Erhalt der Eizellen der Partnerin“.

 

Das Besondere einer geteilten Schwangerschaft

 

Das Besondere an der ROPA-Methode ist, dass die Frauen keine Eizellspende einer fremden Frau benötigen, sondern dass die eine Partnerin der anderen eigene Eizellen zur Verfügung stellt. Daher wird diese Technik auch geteilte Schwangerschaft oder doppelte Mutterschaft genannt. Denn de facto gibt es zwei biologische Mütter, eine genetische und eine plazentarische. Während die eine Frau die Rolle als Eizellspenderin übernimmt, trägt die andere das gemeinsame Kind aus. Dass es sich hier um ein ganz besonderes Erlebnis handelt, berichten uns immer wieder Frauen, die sich für diese Technik entschieden haben. Beide Partnerinnen haben ihren Anteil an dieser Schwangerschaft und erleben den Prozess gemeinsam als Paar. Das ist sicherlich auch ein Grund, warum diese Methode immer mehr an Bedeutung gewinnt. Das zeigt sich an den steigenden Besuchen lesbischer Paare, die eines unserer Kinderwunschzentren aufsuchen. Seit 2012 ist die Zahl homosexueller Frauen, die sich für eine In-vitro-Fertilisation (IVF) interessieren, um 94 % gestiegen. Und viele der lesbischen Paare bevorzugen genau diese ROPA-Technik, da sie überzeugt sind, dass damit ihren Bedürfnissen, einen gemeinsamen Kinderwunsch zu realisieren, am ehesten entsprochen wird.

 

Fremde Eizellspenden sind nicht nötig

 

Anders als in anderen Ländern haben wir in Spanien ein strenges, aber äußerst liberales Gesetz, das die assistierte Reproduktion regelt. Während in Deutschland die Eizellspende immer noch verboten ist, wurde sie in Spanien bereits 1988 gesetzlich verankert. Seit 2007 erlaubt das spanische Gesetz auch die doppelte Mutterschaft. Und damit ist auch die ROPA-Methode offiziell anerkannt. Das Verfahren selbst ist im Prinzip nichts anderes als eine IVF-Behandlung zweier Frauen mit einer Eizell- und Samenspende. Der Unterschied dabei ist, dass die gespendeten Eizellen nicht von einer anonymen Spenderin stammen, sondern von einer der beiden künftigen Mütter.

 

Wer spendet, wer trägt das Kind aus?

 

Bevor mit der Therapie begonnen werden kann, muss das Paar entscheiden, wer welchen Part übernimmt:  Von wem kommen die Eizellen, wer übernimmt die Schwangerschaft? Das ist eine sehr persönliche Entscheidung, die nur die beiden Frauen treffen können. Aus medizinischer Sicht ist es allerdings vorteilhaft, die Eizellen der jüngeren Partnerin zu entnehmen, da die Eizellqualität mit zunehmenden Alter rapide abnimmt und chromosomale Veränderungen auftreten können. Auch die Eizellreserve sollte so hoch wie möglich sind, um qualitativ hochwertige Embryonen zu gewinnen. Wie hoch der Vorrat noch ist, lässt sich durch eine Follikelzählung im Ultraschall ermitteln und durch die Bestimmung des Anti-Müller-Hormons (AMH) im Blut. Das alles besprechen wir natürlich als verantwortungsvolle Reproduktionsmediziner in unserem Kinderwunschzentrum eingehend mit den Patientinnen.

 

Die ROPA-Methode Schritt für Schritt

 

Sobald die Entscheidung gefallen ist, wer die Eizellen spendet, beginnt die hormonelle Stimulation, um die Ovarien anzuregen, mehr als eine Eizelle zu produzieren. Diese Behandlung dauert bis zu 12 Tage. Während dieser Zeit erfolgt in unserem Kinderwunschzentrum eine regelmäßige Überwachung per Ultraschall, um das Follikelwachstum zu überprüfen. Haben die Follikel eine entsprechende Größe erreicht, werden sie durch die Injektion von hCG, einem Hormon das während der Schwangerschaft gebildet wird, freigesetzt. 36 Stunden später erfolgt die Follikelpunktion, das heißt, die reifen Eizellen werden entnommen und im Labor geprüft und analysiert.

 

Sorgfältig ausgesuchte Samenspender

 

Danach kommt es zur Befruchtung. Die Spermien stammen von unserer Samenbank in Spanien, wo der Spender registriert ist. Die Spenderauswahl ist über eine strenge Gesetzgebung geregelt. Samenspender müssen sich einer Reihe von medizinischen Untersuchungen unterziehen, um das Vorhandensein von Krankheiten, vor allem erblich bedingten, auszuschließen. Für das künftige Elternpaar wird ein Spender ausgewählt, der immunologisch und physisch eine größtmögliche Übereinstimmung aufweist. Sobald der passende Spendersamen gefunden ist, beginnt die künstliche Befruchtung. In Betracht kommt die klassische In-vitro-Fertilisation (IVF). Hier werden Eizelle und Samenzellen in einer Kulturschale vereinigt. Gelegentlich raten wir auch zu einer Intrazytoplasmatischen Injektion (ICSI), beispielsweise bei fortgeschrittenem Alter der Frau. Da die Spermieninjektion direkt in die Eizelle erfolgt, wird die Befruchtung optimal unterstützt. Nach der Befruchtung werden jene Eizellen ausgesucht, die die größten Chancen haben, sich in der Gebärmutter einzunisten. Sie können sich nun drei bis fünf Tage im Labor in einem Inkubator weiterentwickeln.

 

Hormonelle Stimulation beider Frauen

 

Nun beginnt die Phase der plazentaren Mutter, die das Kind austragen wird. Sie musste sich gleichzeitig mit ihrer Partnerin einer hormonellen Stimulation unterziehen, um den Zyklus angleichen zu können. Anders als die genetische Mutter benötigt sie keine erhöhte Eiproduktion, sondern bei ihr geht es um die Vorbereitung der Gebärmutter, damit sich der Embryo einnisten kann. Östrogene und Progesteron sorgen dafür, dass das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut angeregt wird; benötigt wird eine Dicke zwischen sieben und zehn Millimetern. Hat die Gebärmutter ihren empfängnisbereiten Zyklus erreicht, wird der Embryonentransfer eingeleitet. Wir von den IVI Kliniken bevorzugen die Transplantation eines einzelnen Embryos, weil dieses Verfahren einer natürlichen Schwangerschaft am nächsten kommt.

 

Blastozystentransfer erhöht die Schwangerschaftsrate

 

Da Embryonen nur fünf Tage nach der Befruchtung außerhalb der Gebärmutter überleben können, favorisieren wir den Embryonentransfer im Blastozystenstadium, das heißt, am fünften Tag nach der Follikelpunktion. Durch dieses Vorgehen erhöht sich die Schwangerschaftsrate deutlich, nämlich um mehr als 50 %. Der Grund dafür ist einfach: Nur wirklich gesunde Embryonen schaffen es bis zum Ende der fünftägigen Laborphase. Es bleiben also nur Embryonen mit dem höchsten Entwicklungspotential übrig. Embryonen mit krankhaften Defekten schaffen die fünftägige Laborzeit nicht, sondern bleiben in ihrer Entwicklung stehen. Da aus einer Befruchtung mehrere Embryonen hervorgehen, können die restlichen kryokonserviert werden. Dieses Tiefkühlverfahren kommt dem Paar zugute, falls die erste IVF erfolglos bleibt, oder falls sich die glücklichen Mütter noch einen weiteren Kinderwunsch erfüllen möchte.

 

 

Fordern sie unverbindlich weitere informationen an:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zurück zum Anfangarrow_drop_up