1 Dezember 2017

Eine Fehlgeburt nach einer Kinderwunschbehandlung: Wie kann ich das verkraften? Teil 2

IVI

Eine Fehlgeburt ist eine sehr schmerzhafte Erfahrung. In diesem Blog wird die Frage erörtert, wie sich Fehlgeburten nach Kinderwunschbehandlungen emotional verarbeiten lassen.  Zudem werden die Methoden der modernen Reproduktionsmedizin aufgezeigt, dank derer es in den letzten Jahren möglich wurde, das Risiko eines Abbruches deutlich zu verringern. Bereits im vorherigen Blogbeitrag erläuterte Dr. Ana Chueca vom Kinderwunschzentrum IVI Zaragoza die wesentlichen Risikofaktoren für einen ungewollten Schwangerschaftsabbruch.

 

Dr. Chueca, welche psychologische Unterstützung bietet IVI den Patientinnen, die mit der Angst kämpfen, eine erneute Fehlgeburt zu erleiden bzw. sich trotz Kinderwunsch kaum eine weitere Behandlung vorstellen können?

Zu IVI kommen viele Paare, die bereits eine oder mehrere Fehlgeburten erlitten haben, unabhängig davon, ob nach natürlicher Schwangerschaft oder Kinderwunschbehandlung. Die Aufgabe unserer IVI-Psychologen besteht darin, die Paare bei der Verarbeitung ihres Verlustes zu unterstützen und auf gesunde und positive Weise zu erreichen, dass sie sich wieder für eine weitere Schwangerschaft bereit fühlen. Fehlgeburten sind eine sehr herausfordernde Erfahrung für jeden Menschen, denn es steht dem Glauben an einen natürlichen Lebenszyklus diametral entgegen: Eltern sterben vor ihren Kindern. Verständlicherweise lösen Schwangerschaftsabbrüche große Zweifel und Ängste aus. Gemeinsam lassen sich diese jedoch bewältigen.

 

So gehen wir das Thema an:

  • Ziel ist es, negative Gedanken durch positive zu ersetzen. Anfangs ist das eine schwierige Aufgabe. Da sind die Schuld, etwas falsch gemacht und damit die Fehlgeburt ausgelöst zu haben, der Kampf und die Trauer um das Baby sowie die Angst, dass es wieder passieren könnte. Aufgabe der Psychologen ist es zu vermitteln, dass sich die negative Erfahrung keineswegs wiederholen muss und dass man eine erneute Schwangerschaft verdient.
  • Es ist wichtig, vollständiges Vertrauen in das medizinische Personal zu entwickeln. IVI wird alle Möglichkeiten ausschöpfen, um eine neue Schwangerschaft, die in die Geburt eines Kindes mündet, zu erreichen. Es ist wichtig, die Angst- und Schuldspirale zu durchbrechen, um zu begreifen, dass es uns zuallerst gut gehen muss, um den Kinderwunsch Wirklichkeit werden zu lassen.
  • Es ist sinnvoll, von dem Baby, das man nicht kennenlernen konnte, Abschied nehmen. Einigen Menschen hilft es, einen Brief zu schreiben, anderen mit ihm zu sprechen, laut oder in Gedanken. Manche besuchen ihren besonderen Ort der Erinnerung. Wichtig ist, unseren Kampf und die schlimme Erfahrung abschließen zu können.
  • Wir müssen akzeptieren, dass das verlorene Kind durch kein anderes ersetzt werden kann.
  • Mit unserem Partner, der Partnerin oder einer nahestehenden Person über unsere Gefühle sprechen zu können, ist von großer Hilfe. Manchmal neigen wir dazu, die Emotionen für uns zu behalten, weil wir glauben, dass keiner uns verstehen wird oder dass man uns für schwach hält. Ein wichtiger Teil emotionaler Gesundheit besteht darin, unsere Emotionen und Gedanken auszudrücken. In Worte fassen zu können, was unser Herz fühlt. Viele Leute erfahren eine große Erleichterung, nachdem sie die Möglichkeit bekommen haben, ihre Gefühle auszuformulieren. Nimm dir diesen Raum! Wenn du denkst, es gibt keine Person in deinem Familien- oder Freundeskreis, such nach professioneller Unterstützung! Unsere IVI-Abteilung für emotionale Unterstützung hört dir gerne zu und begleitet dich bei deinem Prozess. Für uns ist entscheidend, dass du den Kampf aufgrund des Verlustes durchmachen kannst, aber auch, dass es danach möglich ist, eine neue Schwangerschaft zu genießen.

 

Sollte man nach einer Fehlgeburt pausieren, bevor man eine neue Kinderwunschbehandlung in Angriff nimmt? Gibt es eine empfohlene Zeitspanne?

 Für eine korrekte Antwort muss eine Reihe von Faktoren berücksichtigt werden. Zunächst muss die Art der Fehlgeburt geklärt werden. Wenn allein eine biochemische Schwangerschaft vorgelegen hat, der Schwangerschaftstest also positiv ist, aber die Schwangerschaft noch nicht im Ultraschall zu sehen ist, und es in diesem frühsten Stadium zu einer Fehlgeburt kommt, kann die Kinderwunschbehandlung mit der nächsten Menstruation wieder begonnen werden, wenn sich die HCG-Wert wieder korrekt negativiert hat.

 

Handelt es sich bereits um eine im Ultraschall sichtbare klinische Schwangerschaft unterscheidet man in frühe und späte Abbrüche. Von einer späten Fehlgeburt spricht man nach der 12. Schwangerschaftswoche.

Hat sich der Abbruch vor dieser Woche ereignet, muss geschaut werden, wie die Gebärmutterhöhle entleert wurde, ob per Ausschabung oder mittels medikamentösen Schwangerschaftsabbruchs. Im letzteren Fall wird mit der Wiederaufnahme der Kinderwunschbehandlung gewartet, bis die Gebärmutterhöhle vollständig entleert wurde und die HCG-Werte im negativen Bereich sind. Mit der darauffolgenden Menstruation kann die Behandlung dann wieder begonnen werden.

 

Bei einem späten Abbruch muss teilweise eine Geburt mit anschließender Ausschabung eingeleitet werden. In diesen Fällen rät man zu einer mindestens dreimonatigen Pause vor der nächsten Kinderwunschbehandlung. Zu berücksichtigen ist selbstverständlich auch das psychische Befinden der Patientin/des Paares. IVI bietet ihnen die jeweils notwendige psychologische Unterstützung auf liebe- und verständnisvolle Weise (Betreuungskonzept des Tender Loving Care). Es gilt den Stress, der durch den Schwangerschaftsabbruch ausgelöst wurde, zu reduzieren, um die Herausforderung einer neuen Schwangerschaft leichter angehen zu können.

 

In den letzten Jahren ist die Zahl der unfreiwilligen Schwangerschaftsabbrüche bedeutend zurückgegangen. Welchen Maßnahmen ist dieser Erfolg zu verdanken?

Von Beginn an investiert die IVI-Gruppe enorme humane, technologische sowie wissenschaftliche Ressourcen, um die Fehlgeburtenrate zu senken.

Dank der inmensen Fortschritte in der Medizin, Biologie, Genetik und Technologie der vergangenen Jahre, ist es uns möglich Krankheiten zu diagnostizieren, die zuvor nicht bekannt oder behandelbar waren.

 

Hier ein kleiner Überblick über die Fortschritte der Reproduktionsmedizin:

  1. Präimplantationsdiagnostik (PID) und Preimplantation Genetic Screening oder Screening für Aneuploidie (PGS): Die Präimplantationsdiagnostik und -screening am Embryo haben sich enorm entwickelt. Bei der Auswahl der besten Embryonen mittels PGS ist die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft um 70% gestiegen. Durch den Transfer der besten Embryonen steigt die Erfolgsrate und es gelingt schneller, die Schwangerschaft zu erzielen. Die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft bereits mit der ersten Kinderwunschbehandlung hat sich durch die Präimplantationsverfahren vervielfacht. Durch das vorzeitige Aufdecken chromosomischer Störungen im Screening, werden nur gesunde Embryonen transferiert, was das Risiko einer Fehlgeburt verringert und gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit für ein gesundes Baby erhöht.
  2. Endometrial Receptivity Array: Mittels einer kleinen, fast schmerzlosen Entnahme einer kleinen Probe der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) und der anschließenden Analyse von mehr als 600 Genen können wir feststellen, ob das Endometrium aufnahmefähig (rezeptiv) oder nicht (pre- oder post-rezeptiv) ist. Damit lässt sich der beste Moment des Embryotransfers bestimmen, so dass sich die Einnistung korrekt vollziehen kann und kein Schwangerschaftsabbruch durch ein falsches Zeitfenster der Implantation provoziert wird.
  3. Genetischer Kompatibilitätstest (GKT): Mit dem GKT, der in einer einfachen Blutprobe von den werdenden Eltern besteht, lassen sich mehr als 600 sogenannte seltene Erkrankungen ausschließen. Sollte eine Krankheit entdeckt werden, muss das Paar gemeinsam mit den Kinderwunschärzten entscheiden, ob an den Gameten (Ei- und Samenzellen) eine Präimplantationsdiagnostik durchgeführt werden soll, um die Weitergabe der Krankheit zu vermeiden. Dadurch wird ausgeschlossen, dass Ei- und Samenzellen mit der gleichen genetischen Veranlagung für eine Krankheit zur Befruchtung zusammengebracht werden.
  4. Reproduktive Inmmunologie: Die IVI-Immunologen führen eine komplette Analyse der Immunsysteme beider zukünftiger Elternteile durch. Es werden u.a. Autoimmunprozesse, die Ansiedlung für die Schwangerschaft wichtiger uteriner NK-Zellen (natürliche Killerzellen) sowie die Werte der HL-Antigene bestimmt. Je nach Diagnose werden für die Kinderwunschbehandlungen verschiedene Strategien angewendet, z.B. immunologische Behandlungen, die Auswahl von Gameten oder die Empfehlung zum Transfer eines einzigen Embryos (Single Embryo Transfer).
  5. Endokrinologische Analyse (Hormonanalyse): Bei IVI setzen wir auf eine ganzheitliche Bewertung der Faktoren beider Partner. Krankheiten wie Diabetes, Schilddrüsenfunktionsstörungen oder extreme Fettleibigkeit stehen in Beziehung zu einer höheren Fehlgeburtenrate. Deshalb sind eine vorherige Auswertung der Werte und gegebenenfalls eine entsprechende Behandlung entscheidend, um die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Schwangerschaft zu erhöhen.
  6. Fortschritte im Bereich der Chirurgie: Veränderungen an der Gebärmutter, ob nun angeboren oder im Laufe des Lebens erworben, können Ursache für eine Fehlgeburt sein. Minimal-invasive Endoskopie erlaubt chirurgische Eingriffe mit einem deutlich geringeren Blutverlust, eine bessere Diagnostik und dadurch die medizinische Verbesserung der uterinen Konditionen, die die Fehlgeburt ausgelöst haben.
  7. Die Entwicklung des 3D-Ultraschalls: Mit einem einfach durchzuführenden 3D-Ultraschall ist es möglich, Krankheitsbilder im Bereich der Gebärmutter und der Gebärmutterschleimhaut besser zu erkennen. Auf schmerzlose und schnelle Weise lässt sich so eine Diagnose erstellen, ohne dass ein chirurgischer Eingriff dafür vorgenommen werden muss.

 

Viel ist heute möglich, aber solange Fehlgeburten nicht gänzlich vermieden werden können, wird IVI weiter forschen und darum bemüht sein, die Techniken der Reproduktionsmedizin zu verbessern. Das Ziel ist klar: IVI wünscht all seinen Patient*innen “ein gesundes geborenes Kind zu Hause”.

Wir bedanken uns für die ausführlichen Informationen sehr herzlich bei Dr. Ana Chueca.

Fordern sie unverbindlich weitere informationen an:

2 Kommentare

  • Dr. med. Carmen Minguillon says:

    Ich möchte Frau Dr. Ana Chueca gratulieren für die ausführliche Erklärungen die ihre Kompetenz beweisen. Als Pathologin möchte ich nur hinzuführen daß die histologische Untersuchung von Abortmaterial gibt uns die Möglichkeit der Phenotypisierung und oft einen Hinweis in welche Richtung schon uns bewegen könnten (peristatische Abortursache, genetische Abortursache, etc)

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