23 November 2017

Wie überwindet man eine Fehlgeburt nach einer Kinderwunschbehandlung? – Teil 1

Sterilità maschile

Eine Kinderwunschbehandlung verlangt von den Patient*innen Geduld und Optimismus. Manchmal braucht es mehr als einen Versuch, bis sich die heißersehnte Schwangerschaft einstellt und erfolgreich zur Geburt eines Babys führt. In diesem Blog gehen wir der Frage nach, welche die häufigsten Gründe für eine Fehlgeburt nach einer Kinderwunschbehandlung sind und ob man selbst etwas tun kann, um das Risiko zu minimieren. Im nächsten Blog beschäftigen wir uns dann mit der psychologischen Seite: Wie lässt sich eine Fehlgeburt auf emotionaler Eben überwinden? Wir erklären zudem, welchen Techniken es zu verdanken ist, dass IVI so hohe Schwangerschaftsraten, die zur Geburt eines gesunden Babys führen,  verzeichnet.

Für die wertvolle Information zu diesem Thema stand Dr. Ana Chueca vom Kinderwunschzentrum IVI Zaragoza Rede und Antwort. Sie betreut auch die deutschen Patient*innen an ihrer Klinik. Vielen Dank!

 

Welche sind die Hauptursachen einer Fehlgeburt nach einer Kinderwunschbehandlung?

Es herrscht die Meinung, dass Fehlgeburten nach Kinderwunschbehandlungen häufiger vorkommen als nach natürlicher Empfängnis. Aber wenn wir die auslösenden Faktoren genauer betrachten, stossen wir auf die Tatsache, dass die Paare, die eine Behandlung in Anspruch nehmen, häufig mit Krankheitsbildern konfrontiert sind, die ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten mit sich bringen. Unabhängig davon, ob es sich eine Schwangerschaft durch eine Kinderwunschbehandlung oder auf natürlichem Weg einstellt.

 

Das sind die hauptsächlichen Risikofaktoren:

Das fortgeschrittene Alter der Frau ist der häufigste Grund für eine Fehlgeburt. Warum ist das so? Die Mädchen kommen mit einer Eizellreserve zur Welt, die sie im Laufe ihres fortpflanzungsfähigen Alters verbrauchen, bis sie schließlich in die Wechseljahre eintreten und die Reserve aufgebraucht ist. Als Säugetier passt sich der Mensch konstant der Umwelt an und unser hauptsächliches Ziel besteht im Überleben und der Erhaltung der Spezie. Die Eizellen zu Beginn unseres fortpflanzungsfähigen Leben sind die mit der besten Qualität, die schlechteren verbleiben bis zum Ende dieser Lebensphase. Diese letzten Oozyten reifen vermehrt mit Deformationen heran oder führen defektes genetisches Material mit sich. Wenn sie mit der Samenzelle befruchtet werden, kämpfen die Embryonen oftmals mit Einnistungsproblemen und es kann zu einer Fehlgeburt kommen.

 

Der männliche Faktor: Unter diesem Begriff verstehen wir diejenigen Spermiogramme (Diagnostik des Ejakulats), die sowohl in der Menge, der Motilität als auch der Morphologie der Samenzellen eine deutliche Verminderung und Beeinträchtigung aufweisen. Liegt ein OAT-Syndrom (Oligo-Astheno-Teratozoospermie-Syndrom: oligo (zu wenig) – astheno (zu wenig bewegliche) – terato (häufig fehlgeformte Spermien)) vor, ist die Wahrscheinlichkeit für eine genetische Störung und damit auch für eine Fehlgeburt höher.

 

Störungen des Karyotyps: Der Karyotyp ist eine Blutuntersuchung, die alle erkennbaren Chromosomeneigenschaften analysiert, die den Zellaufbau betreffen. Bei gesunden Menschen ergibt sich in der Schreibweise des Karyotyps die Formel 46,XX für Frauen und 46,XY für Männer. Treten numerische oder morphologische Veränderungen in den Chromosomen auf, können auch diese Ursache für ein erhöhtes Risiko einer Fehlgeburt sein.

 

Anatomische Fehlbildungen des Uterus (Gebärmutter) lassen sich in zwei Typen unterscheiden.
Angeborene Veränderungen: Die Gebärmutter entwickelt sich im Embryonalstadium der Frau aus dem sogenannten Müller-Gang. Dieser Prozess verläuft in einigen Fällen nicht auf normale Weise, so dass es zu Uterusanomalien (z.B: septierter Uterus – Trennung des Inneren der Gebärmutter durch Muskel- oder Faserwand) kommt, die mit dem Risiko von Fehlgeburten in Zusammenhang gebracht werden.

 

Im Laufe des Lebens erworbene Anomalien: Damit sind Prozesse gemeint, die den Verlust der Funktionalität der Gebärmutter bedeuten. Dies kann Frauen betreffen, die sich mehreren Ausschabungen unterziehen mussten, wodurch der Uterus beschädigt wurde und nicht mehr ausreichend Gebärmutterschleimhaut für eine korrekte Embryoeinnistung gebildet wird. Auch eine Bestrahlung während einer Krebstherapie kann den Uterus fibrös machen, wodurch er sich nicht entsprechend auf die Schwangerschaft vorbereiten kann, was wiederum zu vermehrten Fehlgeburten führt.

 

Störungen der Rezeptivität des Endometriums (Gebärmutterschleimhaut) führen ebenfalls zu einer inkorrekten Einnistung des Embryos, die mit einem ungewollten Schwangerschaftsabbruch enden kann.

 

Bestimmte Erkrankungen werden mit einem höheren Risiko für eine Fehlgeburt in Verbindung gebracht. Dazu gehören Autoimmunerkrankungen wie z.B. Schmetterlingsflechten, aber auch Bluthochdruck und Diabetes. Ebenso haben Krankheiten, mit denen bereits die Schwangerschaft schwer zu erreichen ist, wie Leberfunktionsstörungen, Herzschwäche und Niereninsuffizienz, eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt, nachdem es gelungen ist, dass die Schwangerschaft überhaupt erzielt wurde.

 

Ungesunde Lebensführung, inklusive den dazugehörigen Krankheitsbildern Anorexie, Bulimie und extreme Fettleibigkeit, kann zu Fehlgeburten führen. Ebenso der Missbrauch von Schadstoffen wie Tabak, Alkohol und Drogen.

 

 

Lassen sich die Ursachen einer Fehlgeburt häufig klären?

 Heutzutage sind wir fähig, die meisten Auslöser für eine Fehlgeburt zu identifizieren. Wir untersuchen die Patientin auf all die zuvor erwähnten Risikofaktoren. Jedes Mal ergeben die Diagnostik und die Analysen, die unsere Patient*innen bei IVI-RMA durchlaufen, detailliertere und komplettere Informationen über den Fall. Untersuchungen wie der ERA-Test (Untersuchung der Rezeptivität des Endometriums), diagnostische Hysteroskopien, Präimplantationsdiagnostik, immunologische Analysen, endokrinologische Bewertungen etc. helfen uns dabei, ein immer genaueres Bild von unseren Patient*innen zu erhalten.

Bei schätzungsweise 5% der Frauen, die eine Fehlgeburt erleiden, bleiben die Ursachen unbekannt und die Geburt des eigenen gesunden Kindes ein unerfüllter Wunsch. In diesen Fällen werden die Paare von uns psychologisch betreut und sie bekommen alternative Lebenswege aufgezeigt, wie z.B. eine Adoption.

Die Spezialisten der Gruppe IVI-RMA leisten kontinuierliche Forschungsarbeit, um auch diesen Paaren eine erfolgreiche Kinderwunschbehandlung zu ermöglichen.

 

Kann ich mit einer Änderung des Lebensstils dazu beitragen, das Risiko einer Fehlgeburt zu minimieren?

 Es ist richtig, dass eine gesundere Lebensweise die Qualität des biologischen Materials verbessern kann und damit auch die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft erhöht.

 

Der Alkoholkonsum von Frauen zeichnet für unregelmäßige Menstruationsblutungen verantwortlich und bringt eine Verringerung der Fruchtbarkeit um bis zu 50% mit sich. Alkohol beeinträchtigt sowohl die Reifung der Oozyten, den Eisprung als auch die Entwicklung des Embryos. Während einer Kinderwunschbehandlung kann Alkohol dazu führen, dass nur eine geringe Menge an Eizellen entnommen werden und für die Befruchtung außerhalb des Körpers (In-vitro-Fertilisation) zur Verfügung stehen kann. Auch das erfolgreiche Einsetzen des Embryos in die Gebärmutter kann dadurch erschwert sein. Das Risiko von Fehl-, Früh- sowie Totgeburten ist höher. Unter den Fachleuten herrscht keine Übereinstimmung, was eine Mindestmenge anbetrifft, ab der durch die Einnahme Schäden auftreten. Aber es ist wahrscheinlich, dass mehr als 8 Einheiten pro Woche (eine Einheit entspricht 20 ml) negative Auswirkungen haben. Auch beim Mann führt der kontinuierliche Alkoholkonsum zu einer schlechteren Samenqualität, bis hin zur Azoospermie (dem völligen Fehlen von Spermien im Ejakulat).

 

Tabak gehört zu den Faktoren, die die Fertilität am meisten einschränken. Bei Frauen steigt die Wahrscheinlichkeit einer Unfruchtbarkeit auf 60%. Tabak beschleunigt den Prozess des Abbaus der Eizellreserve und kann eine früher auftretende Menopause bewirken. Es erhöht sich zudem die Gefahr einer Eileiterschwangerschaft. Es scheint negative Auswirkungen auf die Follikelreifung in den Eierstöcken und sogar auf die genetische Veranlagung von Oozyten zu haben. Bei Kinderwunschbehandlungen ist zu beobachten, dass Raucher*innen doppelt so viele Behandlungeszyklen brauchen wie Nichtraucher*innen und es wird eine höhere Fehlgeburtenrate verzeichnet.

Beim Mann ist ebenfalls die Samenqualität sowie die Qualität der DNA der Spermien durch den Zigarettenkonsum in Mitleidenschaft gezogen. Es treten vermehrt genetische Krankheiten in der Nachkommenschaft auf.
Auch Drogen haben negativen Einfluss auf die Fertilität. Marihuana stört die Ausschüttung des Sexualhormons Gonadotropin, erhöht das Risiko von Fehl- und Frühgeburten sowie von Eileiterschwangerschaften. Kokain kann Fehlbildungen beim Embryo sowie Eileiterschwangerschaften hervorrufen. Bei Kinderwunschbehandlungen stehen weniger Eizellen zur Verfügung, die entnommen werden können. Die Einnahme von Anabolika führt bei Männern zu einer Minderung der Spermienqualität, Störungen beim Ejakulieren und sogar Hodenatrophie (stark verkleinerter Hoden).

 

Leidet die Frau unter Stress, kann das die Follikelreifung stören, die sexuelle Lust vermindern und damit ein aktives Sexualleben beeinträchtigen. Beim Mann werden niedrigere Testosteronwerte mit Stress in Verbindung gebracht.

 

Gemäßigte sportliche Aktivität trägt dazu bei, den Menstruationszyklus und den Eisprung zu regulieren. Es hat positive Auswirkungen auf Patientinnen mit Endometriose oder PCOS, was bei Kinderwunschbehandlungen zu einer Erhöhung der Raten einer erfolgreichen Einnistung und Schwangerschaft führt. Beim Mann zeigt sich durch Sport eine Erhöhung der Gonadotropin-und Testosteronwerte.

 

Übermäßiger Sport hingegen kann den Menstruationszyklus stören und die Sexuallust mindern. Der Mann ist durch Ausüben exzessiven Sports von einer Verminderung der Testosteronwerte sowie einer Verschlechterung der Samenqualität betroffen.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass schädliche Substanzen gemieden werden sollten, da sie die weiblichen und männlichen Keimzellen schädigen können und damit die Wahrscheinlichkeit einer gesunden Schwangerschaft verringert wird. Auf der anderen Seite gilt es, übermäßigen Stress nach Möglichkeit zu verringern. Gemäßigte körperliche Aktivität -Schwimmen, Spaziergänge, Yoga- unterstützt die Stressreduzierung, Gewichtskontrolle sowie die Regulierung des Menstruationszyklus.

 

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